26. Feb 2009
Pop Up The Bathroom
Was sind die wichtigsten Themen der ISH, der Weltleitmesse Erlebniswelt Bad, Gebäude-, Energie-, Klimatechnik Erneuerbare Energien 2009? Welche Trends haben Einfluss auf Produktentwicklung und Badkultur? Wie sehen die künftigen Schnittpunkte zwischen Produktdesign und Architektur aus? Was sind die Bedürfnisse der Konsumenten? Die Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft e.V. (VDS) hat die 10 wichtigsten Entwicklungsstränge benannt, die das Baddesign aktuell bestimmen und/oder in naher Zukunft bestimmen werden. Sie heißen:
- Soft bathroom
- Green bathroom
- Fashion bathroom
- Easy Bathroom
- Design for a better bath
- Private spa
- Water love
- Homing
- Techness
- Interior concepts
Soft bathroom
Das künftige Avantgarde-Bad rüstet nicht auf, sondern gibt nach. Innovative Produkte ermutigen zu einem veränderten Verständnis des Bades: Wo sich der Mensch nackt bewegt, sollen ihm möglichst wenig harte Ecken und Kanten begegnen.
Die Erwartungen richten sich weniger auf technische Features als auf den Einsatz neuer oder ungewohnter Materialien im Badezimmer: Materialien, die warm sind und eine samtige Oberfläche zeigen, dick belegte Böden und gepolsterte Podeste und elastische Kunststoffe sollen das Gefühl von Geborgenheit unterstützen. Die weiche Optik zieht sich durch die Form- und Farbgebung bis in die Lichtinszenierung. Symbol für das weiche Badezimmer ist eine neue, weich ummantelte Badewanne. Hersteller und Designer sind auf der Suche nach neuen Kunststoffen für den Sanitäreinsatz, die sowohl weich und nachgiebig sind als auch stabil und hygienisch. Der auch durch digitale Entwurfsprogramme initiierte Stiltrend zu einem organischen, meist volumenbestimmten Design unterstützt diese „softe“ Entwicklung und vermischt sich mit dem Wunsch nach einer natürlich wirkenden Gestaltung.
Green bathroom
Im Green Bathroom werden Sparsamkeit, ein gutes Gewissen und Wellness miteinander verbunden. Es dominieren natürliche, ökologisch unbedenkliche Materialien und zeitloses, langlebiges Design, während die sanitäre Ausrüstung das technische Know-how der Branche unter Beweis stellt.
Der Konsument ist sensibilisiert für die Notwendigkeit eines nachhaltigen Umgangs mit den natürlichen Ressourcen einerseits und die Abhängigkeit von knapper und teurer werdenden Energiereserven andererseits. Daher ist der internationale Trend zum nachhaltigen Green Design der vielleicht einflussreichste Trend für die Konzeption, Gestaltung und technische Ausrüstung auch des Badezimmers. Denn im Bad werden sowohl Wasser als auch Energie verbraucht. Das Green Bathroom Konzept hilft mit technischen Features, Wasser und Energie zu sparen, ohne auf Komfort zu verzichten, und bietet eine Auswahl ökologisch unbedenklicher Materialien und langlebiger Einbauelemente an.
Fashion bathroom
Mit der Wohnqualität erhält das Badezimmer auch einen zunehmend modischen Anstrich. Das Bad ist genauso repräsentativ für den persönlichen Geschmack seines Nutzers wie die Küche oder das Wohnzimmer.
Damit ist es offen für Angebote, die mit kompletten Gestaltungskonzepten vom Waschbecken über Tapete und Duschvorhang bis zum Handtuch und sonstigen Accessoires einen modischen Lifestyle ins Bad bringen – ein Angebot, das von branchenfremden Modemarken (teilweise in Kooperation mit Sanitärherstellern) in den Markt eingebracht wird. Zum anderen werden auch betont zeitlose, schlichte Gestaltungskonzepte für eine zeitaktuelle Gestaltung mittels Accessoires nachgefragt.
Easy bathroom
Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung ist es die künftige Aufgabe modernen Baddesigns, das Leben für möglichst viele Menschen leichter zu machen. Das Konzept des Easy Bathroom stellt den Menschen in den Mittelpunkt und soll möglichst viele Nutzer ansprechen. Es folgt der Idee des „Universal Design“, bei dem sich niemand ausgeschlossen fühlen soll – weder Alt noch Jung, weder durch Zutrittsbarrieren noch durch komplizierte Funktionen, stilistische Prägungen oder Fachchinesisch.
Ein selbstbestimmtes Leben erscheint uns heute als das höchste Gut. Weder Krankheit noch Alter sollen uns dabei in die Quere kommen. Integration ist die Lösung für eine Gesellschaft, die es sich nicht mehr leisten kann, Ältere und Menschen mit einem Handicap vom sozialen und ökonomischen Leben auszuschließen. Das neue, barrierefreie Bad ist komfortabel, vielseitig und schick. Es zeichnet sich weniger durch spezielle Hilfsmittel aus als durch einfache Funktionalität, eine hohe Fehlertoleranz und eine durchdachte Gestaltung, die flexible Nutzungen zulässt. Hier lassen sich Hilfsmittel unauffällig integrieren, wenn sie gebraucht werden. Im Stil unterscheidet es sich nicht mehr von den konventionellen, designorientierten Bädern. Das Easy Bathroom will keine Spezialisierung, sondern Normalität schaffen.
Design for a better bath
Design lässt im Badezimmer ganze Welten mit minimalistischem, natürlichem oder poetischem Charakter entstehen. Das moderne Sanitärdesign hat eine Vorreiterstellung im Produkt- und Interior Design erlangt.
Der Trend zum Design im Bad bezeichnet weniger eine neue Entwicklung als eine etablierte Produktkultur – einen Megatrend, dessen Einfluss grundlegend für jede neue Produkt- und Konzeptentwicklung ist. Damit kann die elitäre Vorstellung von dem so genannten Designerbad als überholt gelten, da der gestalterische Ausdruck in der Standardversion eines neuen Bades nur weniger prononciert und stärker normiert erscheint als im Designerbad, das sich demgegenüber durch die Handschrift eines bestimmten Designers profiliert. Doch egal, welcher konzeptionelle Aspekt im Vordergrund steht: Design ist heute Impulsgeber, Ideenlieferant, Innovator und stilbildendes Element jedes Bades. Die harmonische Linienführung in den Kollektionen ist genauso auf den Einfluss der Designer zurückzuführen wie die skulpturale Qualität der einzelnen Ausstattungselemente. Dabei geht der Trend zu einer freieren formalen Auffassung der einzelnen Elemente einer Kollektion, die mehr Variation in die Modellgestaltung bringt und stereotype Muster vermeidet. Design macht heute aber auch Vorschläge zur Nutzung des Bades und ist Wegbereiter für technische Innovationen. Vor allem jedoch haben Designer dafür gesorgt, dass das Bad endlich Zimmer geworden ist: durch die wohnliche Qualität der Objekte und ihre Integration in behagliche Interior Designs und Raumkonzepte.
Private spa
Im Bad wird Wellness zur Kultur, und im Private Spa nimmt diese Kultur eine feste Form an. Das Bedürfnis nach Wassergenuss, Ästhetik und Körperkult wird in einem raffinierten Raumkonzept zusammengeführt, wo diese Erlebnisse in der Intimität des privaten Wohnraums zelebriert werden können.
Private Spa ist ein Badkonzept, das die Routine zum Ritual und das Wasser zum Erlebnis macht. Für den Wellness-Effekt sorgen sowohl Ausstattungselemente wie Regendusche oder Whirlwanne als auch Möbel und eine sinnliche Optik. Das Private Spa ist Ausdruck eines neuen Verständnisses von Luxus, der darin liegt, Raum und Zeit zu finden, um für das körperliche und seelische Wohlbefinden zu sorgen. Der Raum der Wahl ist dabei für immer mehr Menschen das Bad. Während die Küche das kommunikative Zentrum der modernen Wohnkultur darstellt, bleibt das Private Spa ein sehr persönlicher Bereich. Der Trend zum Private Spa entspricht dem Wunsch, den Luxus eines Aufenthaltes im Spa oder in einem von der Außenwelt abschirmenden Hotelbades, in dem Wohnen und Regenieren zusammengelegt werden, auch im Privatbereich zu verwirklichen. Die Bereitschaft des Kunden, in ein großzügiges Private Spa zu investieren, macht deutlich, dass Wellness im Bad ein komplexes Thema ist, das nicht nur von der Badewanne, sondern von weichen Faktoren wie dem Raumambiente, stimmungsvollen Inszenierungen und rituellen Nutzungsmöglichkeiten bestimmt wird.
Water love
Noch nie war die Lust der Konsumenten auf Wasser so groß – Lust auf Wasser in seiner puren Form, als Wasserschwall in Dusche oder Waschbecken, als Regendusche oder farbig illuminiertes Bad. Und noch nie war Wasser so emotional zu erleben wie mit den neuen Produkten der Armaturenhersteller und den puristischen Entwürfen für Badewannen, Becken und bodengleiche Duschen.
Wasser ist der eigentliche Wohlfühlfaktor im Badezimmer – sowohl in seiner Anwendung bei der Körperpflege als auch bei seiner sinnlichen Inszenierung. Wasser wird zunehmend nicht nur als reinigendes Medium, sondern auch als elementare Kraft wahrgenommen und entsprechend in Szene gesetzt. Es gibt diverse Arten, Wasser fühlbar zu machen: durch Schwallarmaturen, Kopfbrausen, Seitendüsen oder auch Wasserfälle und ganze Waschstraßen. In seiner natürlichen Form wirkt es auf die Menschen faszinierend und ungebändigt. Durch die Inszenierung des Wasserstrahls als Schwall oder den Verzicht auf Perlatoren wird sein elementarer Charakter betont und der Weg des Wassers zum Menschen haptisch erfahrbar gemacht. Einige eher puristische Beispiele von Waschbeckenarmaturen können sogar durch Wasserersparnis überzeugen. Regenduschen und große Tellerkopfbrausen hingegen versprechen luxuriösen Genuss, für den auch der hohe Wasserbedarf in Kauf genommen wird.
Homing
Der Trend, fast das gesamte Privatleben und einen Teil des öffentlichen Lebens (Geselligkeit, Home Office etc.) in der repräsentativ gestaltete Wohnung stattfinden zu lassen, hat auch das Badezimmer zu einem Wohnraum umdefiniert, in dem sich die Nutzer auch außerhalb der täglichen Routine häufig aufhalten.
Homing hat den Baderaum kulturell aufgewertet. Das Ergebnis der Verwandlung der Nasszelle in ein Badezimmer ist der stilistisch an das Wohnumfeld angeglichene, aber dennoch spezifische Funktionsraum Bad. Während ihm einerseits neue Funktionen – etwa Fitnessraum, TV- oder Musikzimmer – zugewiesen und technische Features hinzugefügt werden, sind die Übergänge zum Wohnraum durchlässig geworden. Das Neue an den modernen Bädern sind die wohnlichen Materialien und Möbel, die aufwändige technische Ausstattung sowie die tendenzielle Offenheit zu benachbarten Räumen.
Techness
Design und Ingenieurskunst, die in der deutschen Sanitärbranche eine außergewöhnliche Qualität erreicht hat, sind eine sehr produktive Symbiose eingegangen, die seit Jahren große Erfolge zu verzeichnen hat und auch für die ISH 2009 wieder wegweisende Innovationen vorweisen kann. Innovationen, die beim Konsumenten Bedürfnisse wecken nach dem Sexappeal von elektronischen Armaturen, die eine berührungslose Bedienung oder per Knopfdruck regelbare Komfortsteuerung von Duschen und anderen Ausstattungsfeatures ermöglichen.
Selten hat es in der Sanitärbranche einen solchen Innovationsschub gegeben, mit dem die elektronischen Produkte nun auch in den Privatbereich vorstoßen. Neu im Bad eingeführte Technologien verbessern unseren Alltag und stehen für eine neue Generation von Produkten, die die Bedürfnisse ihrer Benutzer in den Vordergrund stellen. Die technischen Weiterentwicklungen sprechen nicht nur das Bedürfnis nach Komfort und den Spieltrieb der Badnutzer an, sondern können auch sehr rationale Argumente ins Feld führen: Dank neuer Technologien werden die Armaturen kleiner, wird der Wasserverbrauch reduziert, wird das Leben im Badezimmer nicht nur emotionaler, sondern auch leichter. Aber auch nicht elektronisch steuerbare Produkte wie die riesigen Tellerkopfbrausen oder die Handbrausen, deren Proportionen ergonomisch sinnvoll umgekehrt wurden, können nur durch Impulse aus dem Design und das große technische Können der Industrie entstehen. Aus dem asiatischen Raum wiederum dringt allmählich eine ganz andere Produktkategorie in den europäischen Haushalt vor: das Dusch-WC mit sehr unterschiedlicher elektronischer Ausstattung, die bis zum MP3-Player und sogar zu einer Online-Kommunikation mit dem Hausarzt reicht. Diese Spielereien stoßen im westlichen Haushalt sicherlich auf weniger Begeisterung als der hygienische und angenehme Komfort, der mit solchen Gerätschaften verbunden ist.
Interior concepts
Das Bild vom Bad als rechteckige Box mit den an der Wand aufgereihten Becken, WC und Wannen ist überholt. Heute werden ganzheitliche Badkonzepte angeboten, die den Raum innenarchitektonisch gliedern. Die Sanitärbranche macht aus dem Bad ein Zimmer mit unterschiedlichen Zonen, die der Hygiene, dem Styling oder der Regeneration dienen können.
Baddesign ist schon lange nicht mehr „nur“ Produktdesign. Der Funktions- und Bedeutungswandel des Badezimmers beeinflusst neben dem Produktdesign auch immer mehr den Raum, seine Größe und Struktur. Die Hersteller planen bei neuen Badkollektionen daher auch zunehmend die Möglichkeiten mit ein, wie das Produkt für die Raumnutzung und –gestaltung eingesetzt werden kann. Solche Konzepte antworten auf das Konsumentenbedürfnis nach einer ganzheitlichen Badgestaltung und enthalten auch schon mal Empfehlungen für das Interior Design, etwa Empfehlungen für Materialien, Farben, Kombinationen, Lichtführung, Accessoires und so weiter und so weiter. Die Sanitärobjekte ragen in den Raum hinein oder werden mittig platziert, es entstehen Sichtachsen, sich durchdringende oder abgeschirmte Raumteile. Aus Duschen werden Raumteiler, Vorwandelemente nehmen Armaturen und Waschbecken auf, und das WC verschwindet, wenn schon nicht ganz aus dem Bad, so doch zumindest in eine abtrennbare Nische. Denn der Rest des Bades wird als Wohnfläche definiert, die etwa durch Relax-Möbel und Teppiche gestaltet wird.
Diese Trends schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern greifen verschiedene Aspekte auf, die zum Teil auch kombiniert werden können. Die zehn Trends sollen helfen, die vielfältigen Erscheinungen und Konzepte, die das Fachpublikum und der Endverbraucher auf der internationalen Weltleitmesse der Sanitärbranche zu sehen bekommen werden, zu strukturieren und weiterzudenken.
Pop up the bathroom auf der ISH
Auf der Messe selbst werden diese Trends präsentiert und diskutiert. Als Plattform hierfür dient u.a. die „Waterlounge”, der zum Treffpunkt für Medien- und Industrievertreter ausgebaute Messestand der VDS. Die vor zwei Jahren erstmals eingerichtete Waterlounge der VDS in Halle 3.1 (A 96) wird die Top-10-Themen aufgreifen und publikumsnah präsentieren. Unter anderem werden die Badtrends als Flash-Film animiert und auf einem eigenen Infostand auf einem Bildschirm abgespielt (Trendforum A 98). Jeder Trend wird dabei durch eine Illustration anschaulich bebildert.
Das Angebot wird ergänzt durch eine eigene Internetplattform: www.pop-up-the-bathroom.de/com, auf der die Presseinformationen gebündelt und zusammen mit Bildmaterial als Download zur Verfügung gestellt werden. In Anspielung auf den Titel „Pop up the bathroom“ enthalten die Flash-animierten Illustrationen auch informative Pop-ups. Vor allem aber enthält der Titel eine Aufforderung, sich dem Thema Badgestaltung zu öffnen und die eigene Badkultur zu überprüfen. Denn die Vorteile und der Komfort eines neuen Bades sind mit der althergebrachten Technik und dem Jahrzehnte alten Design, die noch in vielen Altwohnungen herrschen, nicht zu erreichen.
Konzeption und Gestaltung: Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft e.V. (VDS) / far_consulting, Frank A. Reinhardt, Claudia Wanninger
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