01. Dez 2009

Die Sanitärwirtschaft in Deutschland

Die Sanitärbranche im Überblick

Die deutsche Sanitärwirtschaft setzt sich aus Unternehmen verschiedener Sparten der Industrie, des Produktionsverbindungshandels und des Handwerks bzw. Ausbaugewerbes zusammen.

Zu der Sanitärindustrie gehören die Hersteller von Sanitärkeramik, von Acryl- und Stahlwannen, von Duschabtrennungen, Armaturen und Brausen, sowie von Badmöbeln und Badaccessoires. Ebenfalls dazu zählen die technischen Gebäudearmaturen und die Hersteller von Installationssystemen hinter der Wand. Alles zusammen genommen waren dies in 2008 etwa 230 Unternehmen mit etwas unter 40.000 Beschäftigten.

Der Bereich des Handels umfasst vor allem den Fachgroßhandel mit Sanitärprodukten und dem gesamten weiteren Angebot an haustechnischen Erzeugnissen. Derzeit sind dies rund 280 Unternehmen mit rund 39.000 Beschäftigten.

Die letzte Stufe im dreistufigen Vertriebsweg bilden die installierenden Unternehmen. Dazu gehören sowohl die kleinen SHK-Handwerksbetriebe, d.h. die Installateure und Heizungsbauer, die Klempner sowie die Ofen- und Luftheizungsbauer als auch die industriellen installierenden Firmen der technischen Gebäudeausrüstung. Diese zusammengefassten ca. 50.000 Unternehmen machen mit geschätzten 270.000 Beschäftigten unverändert die größte Gruppe der Sanitärwirtschaft aus.

Entwicklung in 2009

Nach einem speziell für die Industrie extrem schwierigen Jahr ist es noch zu früh, das Ende der Krise auszurufen. Dennoch und trotz der unverändert zahlreichen Unsicherheitsfaktoren überwiegt in der mittelständisch geprägten Branche ein „leichter Optimismus“ für 2010. Auf diesen Nenner lässt sich Status und Perspektiven der Absatzentwicklung im In- und Ausland bringen. Per saldo dürfte die generelle Rezession im Badsektor nicht so tiefe Spuren hinterlassen wie in anderen Wirtschaftszweigen.

Auf Basis neuer Schätzungen des ifo-Institutes ging der Umsatz der Sanitärbranche 2009 auf 15,6 Mrd. Euro und damit um nominal 5,5 % gegenüber 2008 (16,5 Mrd. Euro) zurück. Während sich danach das Inlandsgeschäft mit einem Minus von 2,3 % (12,7 Mrd. Euro nach 13,0 Mrd. Euro) noch relativ gut behauptete, sanken die im Ausland erzielten Verkaufserlöse kräftig um rund 17 % auf 2,9 Mrd. Euro (nach 3,5 Mrd. Euro) und damit erheblich stärker als noch zur Jahresmitte erwartet. Unter diesem drastischen Einbruch litt primär die Industrie. Fachgroßhandel und Fachhandwerk profitierten dagegen von dem fast stabilen Heimatmarkt. Insofern wirkt sich die Krise auf den drei Vertriebsstufen erkennbar unterschiedlich aus.

Prognose für 2010

Für das laufende 2010 sagt ifo ein geringes Umsatzwachstum voraus. Insgesamt könnte die Sanitärwirtschaft danach auf ein Plus von knapp 3 % und damit auf 16,0 Mrd. Euro kommen. Dabei fällt der Anstieg in Deutschland mit etwa 2 % auf 12,9 Mrd. Euro voraussichtlich bescheidener aus als im Ausland. Hier hält ifo auf dem deutlich reduzierten Niveau eine Erholung um rund 7 % auf ca. 3,1 Mrd. Euro für möglich.

In Folge des akuten Defizits an fundierten Orientierungswerten ist jedoch bei allen Prognosen Vorsicht geboten. Außerdem reicht eine Geschäftsbelebung in dem jetzt geschätzten Umfang keineswegs aus, um die letztjährigen Einbußen zu kompensieren. Ungeachtet dessen hofft die Branche auf stabilisierende Elemente. Das resultiert auch aus den positiven Beiträgen, die professionell geplante und realisierte Bäder zur Lösung wichtiger Aufgaben leisten können. Das gilt u. a. für die Bewältigung des demografischen Wandels, die Gestaltung barrierefreier Wohnungen sowie die praktischen Konsequenzen aus der berechtigten Forderung nach ressourcenschonenden, nachhaltigen Ausstattungskonzepten.

Keine Personaleinschnitte

Ähnliche Tendenzen zeigen sich in der kompletten haus- und gebäudetechnischen Branche, die neben dem Sanitärsektor die Wirtschaftszweige Heizung, Klima und Lüftung umfasst. Laut ifo sorgte hier in erster Linie ebenfalls das um fast 15 % schrumpfende Auslandsgeschäft (7,5 Mrd. Euro nach 8,8 Mrd. Euro) dafür, dass der Gesamtumsatz 2009 um nominal gut 5 % auf 37,6 Mrd. Euro (nach 39,6 Mrd. Euro) gesunken ist. Dagegen blieb das Inlandsminus mit etwas über 2 % auf 30,1 Mrd. Euro (nach 30,8 Mrd. Euro) in Grenzen. Für 2010 zeichnet sich derzeit ein moderates Plus der Verkaufserlöse von ca. 2 % auf dann 38,4 Mrd. Euro ab.

Ein erfreuliches Signal ist die prognostizierte Entwicklung bei den Mitarbeiterzahlen. Auf dieser Grundlage gibt es in den rund 50.000 Industrie-, Großhandels- und Handwerksunternehmen entgegen früherer Befürchtungen keine Einschnitte bei den Beschäftigten. Vielmehr könnte sich die Zahl 2010 in etwa auf dem Niveau von 2008 (409.000) stabilisieren. Damit stellt die Branche ihr Bemühen unter Beweis, speziell qualifiziertes Personal auch in der Krise nach Möglichkeit in den Betrieben zu halten.

Bildtext
Verursacher: Für den nach einer neuen ifo-Schätzung 2009 um nominal 5,5 % auf 15,6 Mrd. Euro gesunkenen Umsatz der Sanitärbranche war primär das um rund 17 % eingebrochene Auslandsgeschäft verantwortlich. Das ging vor allem zu Lasten der Industrie, meldet die Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS). Dagegen profitierten Fachgroßhandel und Fachhandwerk von dem fast stabilen deutschen Markt. Trotz erheblicher krisenbedingter Unsicherheitsfaktoren signalisiere die Prognose für 2010 wieder einen leichten Aufwärtstrend.

Grafik: Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS)    Bild 3039

Downloads