15. Nov 2006

Durststrecke überwunden

Sanitärbranche wächst wieder im Inland / Dynamischer Export / 4 % Umsatzplus in 2006 / Zuversicht auch für 2007 / Höhere Mehrwertsteuer kein Hemmschuh / Risikofaktoren Rohstoffe und Energie / Per saldo günstiges aktuelles Geschäftsklima / Rückenwind durch GfK-Studie / Noch viel Potenzial im BadgeschäftBonn - (vds) Sieben Jahre musste die Sanitärbranche auf eine Belebung des Inlandsgeschäftes warten. Für 2006 kann sie den "lange erhofften und verdienten Aufschwung" tatsächlich melden, wie es Fritz-Wilhelm Pahl jetzt in Bonn formulierte. Da sich der Export mit einem zweistelligen Plus noch erheblich dynamischer entwickelt, dürfte die mittelständische Branche nach Aussage des Vorsitzenden der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) im ablaufenden Jahr ein Umsatzplus von gut 4 % auf 14,7 Mrd. Euro erzielen. Auch für 2007 signalisieren die Prognosen die gleiche Tendenz: moderater Anstieg im Inland und anhaltend kräftiger Aufwärtstrend im Ausland.Die zuletzt im Rahmen des speziellen ifo-Konjunkturbarometers ermittelten skeptischeren Geschäftserwartungen von Industrie, Großhandel und Handwerk will der Dachverband "nicht überbewerten". Sie seien zum Teil eine "normale Reaktion" auf die per saldo "ausgezeichnete Lagebeurteilung". Die außerdem von einer repräsentativen GfK-Verbraucherstudie gestützte Zuversicht werde jedoch u. a. durch die "extreme Situation" an den Rohstoff- und Energiemärkten gedrückt. Die Mehrwertsteuererhöhung zum 01.01.2007 ist dagegen für Pahl "kein wirkliches Problem".Lage-Hoch verhindert "Klimawandel""Es ist sicher, dass wir unsere Prognose für 2006 deutlich nach oben korrigieren müssen": So beschrieb der VDS-Vorsitzende Mitte November vor Journalisten die Konsequenz aus den jüngsten Marktdaten. Auf Basis vorläufiger Zahlen des ifo-Institutes lege der Inlandsumsatz um 2,6 % auf 11,8 Mrd. Euro zu. Vor Jahresfrist habe man an ein maximales Plus von 1 % geglaubt. Da auch der Export mit einem Wachstum von 11,5 % auf 2,9 Mrd. Euro noch besser als erwartet laufe, gehe man jetzt für 2006 von einem Branchen-Gesamtumsatz von 14,7 Mrd. Euro (nach 14,1 Mrd. Euro) und damit einem Plus von 4,2 % aus.Neben den allgemeinen Marktdaten verfüge der Wirtschaftszweig mit dem ebenfalls von ifo für die Vereinigung der deutschen Zentralheizungswirtschaft (VdZ), die Messe Frankfurt und die VDS erstellten SHK-Konjunkturbarometer über ein zeitnahes, monatlich aktualisiertes Messinstrument der gegenwärtigen und künftigen Entwicklung. Wenn auch im Sanitärsektor die Geschäftserwartungen in den letzten Monaten zurückgegangen seien, so führe doch die positive Geschäftslage zu einem anhaltend guten Gesamtklima. Zwar lieferten Industrie, Großhandel und Handwerk zum Teil unterschiedliche Einschätzungen. Mit der ebenso stetig wie stark verbesserten Lagebewertung, die besonders im Handwerk bereits erste Anzeichen einer "Überhitzung" habe, gebe es aber u. a. im Oktober einen "markanten gemeinsamen Nenner".Fachkräfte fehlenMit Blick auf 2007 sieht Pahl "keinen Grund zur konjunkturellen Skepsis". Die laut GfK-Konsumklimaindex nachhaltig optimistischere Stimmung der deutschen Verbraucher sowie die sinkenden Arbeitslosenzahlen rechtfertigten eine "nüchterne Zuversicht". Da die Badbranche zudem derzeit "keine nennenswerten Mehrwertsteuer-Vorzieheffekte" spüre, gebe es von der Seite auch keine negativen Erwartungen für das 1. Quartal 2007. Als "Wachstumshemmnis" bezeichnete der VDS-Vorsitzende dagegen den inzwischen schon verstärkt auftretenden Fachkräftemangel. Obwohl er in erster Linie im Handwerk zu beobachten sei, zeige er sich auch in den beiden übrigen Vertriebsstufen.Ein anderes Risiko für eine weiter positive Entwicklung resultiere aus den "explosionsartig gestiegenen" und auf hohem Niveau verharrenden Kosten für Energie und Rohstoffe. Während auf der Beschaffungsseite Versorgungsengpässe zu einem zusätzlichen Preisschub führten, verursache auf der Absatzseite der von Überkapazitäten geprägte "gnadenlose Wettbewerb" sogar Preisreduzierungen. Der dadurch entstehende Druck auf die Margen habe inzwischen "für etliche Firmen" ein Existenz bedrohendes Ausmaß erreicht."Ordentliches 2007"Natürlich hänge die Branche auch von den politischen Rahmenbedingungen ab. Pahl will sich aber nicht "an die Klagemauer stellen". Die entscheidende Messlatte ist für ihn die "Stimmung der Menschen". Sie werde nur dann langfristig positiv sein, wenn die schwarz-rote Bundesregierung "endlich Handlungsfähigkeit zeigt und ihre Verantwortung wahrnimmt". Genau das vermisst der VDS-Vorsitzende momentan.Ungeachtet dessen erwarte die Sanitärwirtschaft ein per saldo "ordentliches 2007". Dabei prognostizierte Pahl ein mit einem Anstieg um 1,7 % auf 12 Mrd. Euro leicht abgeschwächtes Inlandswachstum. Das Auslandsgeschäft werde dagegen seinen dynamischen Aufwärtstrend mit einem Plus von gut 10 % auf dann 3,2 Mrd. Euro erneut bestätigen. Insgesamt rechne man 2007 mit einem Wachstum von 3,4 % und einem Branchenumsatz von 15,2 Mrd. Euro.18 Mio. noch nicht renovierte BäderUm die Nachfragebelebung im Inland zu stabilisieren, hat sich die Branche laut Jens J. Wischmann auch selbst einiges vorgenommen. Eine aktuelle Grundlage dafür ist, betonte der VDS-Geschäftsführer, die Anfang 2006 im Auftrag des Dachverbandes zum sechsten Mal von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erstellte Basisstudie "Bad". Aus der für gut 34 Mio. deutsche Privathaushalte repräsentativen Erhebung griff Wischmann die unter Konjunktur- und Vermarktungsaspekten wichtigsten Bewertungen heraus. Das seien im Einzelnen:- Mit 79 % Zustimmung machten die Deutschen die Aussage "Ich muss mich ganz und gar wohlfühlen" 2006 wie schon in der letzten vergleichbaren Meinungsumfrage (2001) zu ihrer zentralen Bad-Botschaft. Dem Wahlsieger aber bereits dicht auf den Fersen ist mit 77 % der erstmals aufgenommene Aspekt der "uneingeschränkten Nutzung im Alter".- Befragt nach den künftig für sie wichtigeren Wohnbereichen, sprechen sich die Bundesbürger letztlich für ein Quartett aus. Dazu gehört auch das Bad. Es setze damit seine "Aufholjagd" gegenüber den früher weit höher eingestuften Klassikern wie Wohn- und Schlafzimmer erfolgreich fort.- 52 % der Bundesbürger haben ihr Erstbad seit dem Bau bzw. Bezug ihres Hauses noch nicht renoviert. Und: 44 % und damit fast 8 Mio. der insgesamt knapp 18 Mio. "unberührten" Räume sind über 15 Jahre alt. Gut 4 Mio. Bäder leisten sogar seit mehr als 25 Jahren in unverändertem Zustand ihren Dienst. Der von der Sanitärwirtschaft seit mehreren Jahren registrierte Modernisierungsstau sei also eine "nachgewiesene Realität".- Nachdem die Zufriedenheit der Bundesbürger mit ihren Bädern bis 2001 kontinuierlich stieg, geht sie nun erstmals wieder zurück. Die Konsequenz: Die Quote der "etwas bzw. ziemlich Unzufriedenen" wuchs bis 2006 kräftig auf 26 % (nach 22 %). Dahinter verbergen sich knapp 9 Mio. Haushalte. Analog dazu nimmt auch der sanitäre Handlungsbedarf zu, folgert die VDS.- Die Schere zwischen Istbad-Bewertungen und Wunschbad-Vorstellungen öffnet sich bei den Bundesbürgern relativ weit. Das gilt vor allem für die Themen "Altersgerechte Ausstattung" und "Fitness/Wellness". Insbesondere bei Modernisierung und Renovierung, den mit über 60 % wichtigsten Motiven für Badanschaffungen in Deutschland, sehe die Branche konkrete Chancen, das große Bedarfspotenzial auszuschöpfen.Ausstellungen stimulieren Kauflaune- Wenn es um das Komplettbad und fachgerechte Installation geht, vertrauen die Bundesbürger weiter vor allem auf "ihren" SHK-Fachbetrieb. Folgerichtig müsse man seine Kompetenz und weitere Vorteile wie Gewährleistung und Ersatzteilgarantie noch mehr herausstellen.- Laut der GfK-Studie lösen die über 1.800 Badfachausstellungen von Handel und Handwerk beim Verbraucher mit Abstand die stärksten Kaufimpulse aus. Mit dem bundesweiten Aktionstag "Neue Bäder erleben", der am 05. Mai 2007 zum dritten Mal stattfinde, stelle die Branche deshalb bewusst diese flächendeckenden Präsentationsforen in den Mittelpunkt der Öffentlichkeitsarbeit. Zu den Aktionstagen 2005 und 2006 kamen, so Wischmann, etwa 200.000 Besucher. Außerdem verwies er auf die internationale Leitmesse "ISH" vom 06. bis 10. März 2007 in Frankfurt am Main, die sich am letzten Tag wieder speziell an Endverbraucher richte.- Der Verbraucher will der Untersuchung zufolge Sicherheit bei Produktwahl, Technik, Design, Service und Beratung. Da dies "ausnahmslos" für das Bad vom Profi spreche, müsse man z. B. die umfassende Qualifizierung in allen Vertriebsstufen weiter forcieren.- Klassische Markenattribute seien trotz verschärften Wettbewerbs und Preisdrucks für die Kunden immer noch entscheidende Auswahlkriterien. Das "Made and designed in Germany" genieße daher beim Verbraucher eine hohe Akzeptanz.- Der Weg zum neuen Bad soll der Untersuchung zufolge für Endverbraucher primär einfach und individuell sein – Komplett-Festpreis inklusive. Die Branche sei aufgerufen, hier ein noch klareres und professionelleres Profil zu zeigen.Für die Nutzung der von der GfK-Studie ermittelten Chancen bringt der dreistufige Vertriebsweg unter dem Strich "sehr gute Voraussetzungen" mit, glaubt Wischmann. Schließlich habe die Branche erheblich dazu beigetragen, dass Deutschland als Weltmeister in Sachen "Bad" gelte.Mitarbeiterabbau: "Licht am Ende des Tunnels"Auf Basis der ifo-Marktdaten gab Pahl außerdem einen Überblick über die Gesamtbranche der Haus- und Gebäudetechnik, zu der neben der Sanitärwirtschaft die Heizungs-, Klima- und Lüftungssparten gehören. Mit einem geschätzten Umsatzplus von 12,5 % auf 7,2 Mrd. Euro erweise sich das Auslandsgeschäft 2006 auch hier als wichtigste Triebfeder des Wachstums, das in der Pressekonferenz auf insgesamt 3,8 % (35,1 nach 33,8 Mrd. Euro) beziffert wurde. Allerdings nehme die Branche im Inland (plus 1,8 % auf 27,9 Mrd. Euro) ebenfalls an der generellen Konjunkturerholung teil.Das Tempo des in den letzten Jahren starken Mitarbeiterabbaus verlangsame sich 2006 erheblich, so dass Pahl das "Licht am Ende des Tunnels" ausmachte. Die Zahl der Beschäftigten scheine sich auf einem Niveau von rund 400.000 zu stabilisieren. Eine wichtige Ursache dafür sei der weitgehend gestoppte Abwärtstrend im Handwerk. Mittlerweile stellten Betriebe zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder neue Arbeitskräfte ein. Die ganze Branche habe im Übrigen trotz der langjährigen Konjunkturflaute mit Ausbildungsquoten von "stets über 10 %" ihre Verantwortung für qualifizierten Nachwuchs immer erfüllt.Der insgesamt positive Saldo bei der Zahl der Unternehmen in der Haus- und Gebäudetechnik beruhe auch 2006 ausschließlich auf den Neugründungen im Handwerk, die die durchschnittliche Mitarbeiterzahl pro Betrieb indes weiter reduzierten. Diese Tendenz kenne man bereits aus den Vorjahren. Insgesamt gebe es derzeit rund 50.700 Unternehmen in der Branche.Auch für die komplette Haus- und Gebäudetechnik ist Pahl weiter zuversichtlich. Für 2007 erwartet er ein Umsatzwachstum von 3 % auf dann 36,2 Mrd. Euro. Davon sollen 28,3 Mrd. Euro (plus 1,4 %) auf das Inland und 7,9 Mrd. Euro (plus 9,7 %) auf das Ausland entfallen.BildtextBild 378Erholung: Erstmals seit sieben Jahren steigt 2006 auch der Inlandsumsatz der Sanitärbranche. Die von der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) geschätzte Wachstumsrate von 2,6 % bleibt jedoch deutlich hinter dem zweistelligen Plus (11,5 %) des Exportgeschäftes zurück. Insgesamt dürften sich die Verkaufserlöse von Industrie, Großhandel und Handwerk gegenüber 2005 um gut 4 % auf 14,7 Mrd. Euro erhöhen. Auch für 2007 signalisieren die Prognosen die gleiche Tendenz: moderater Umsatzanstieg im Inland und anhaltend kräftiger Aufschwung im Ausland.Grafik: Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS)

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