18. Mrz 2008
Brisantes Mega-Thema
Bonn - (vds) Die Fakten sind dramatisch: Seit 1950 hat sich der Wasserverbrauch weltweit versechsfacht; derzeit müssen in den Entwicklungsländern 1,2 Milliarden Menschen auf einen Zugang zu sauberem Trinkwasser verzichten; 2,6 Milliarden kennen keine sanitären Einrichtungen. Experten befürchten daher, dass der Kampf ums Wasser den um das Öl künftig noch in den Schatten stellen könnte. Der Grund: Zu Öl gibt es Alternativen, zu Wasser nicht. Eindringlicher lässt sich nach Auffassung der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) die Notwendigkeit kaum unterstreichen, den ebenso schonenden wie intelligenten Umgang mit dem wichtigsten Lebensmittel als "höchste Priorität" einzustufen. Dabei seien gerade Industriestaaten wie Deutschland in der Verantwortung, zumal auch hier z. B. marode Leitungssysteme für wachsende Probleme sorgten.Internationale Initiativen bestätigen den "globalen Handlungsbedarf", erklärt Jens J. Wischmann. Der Geschäftsführer des Dachverbandes der Sanitärbranche weist aktuell darauf hin, dass die Vereinten Nationen 2008 zum "Year of Sanitation" ausgerufen haben. Dabei gehe es u. a. darum, die gesundheitlich und hygienisch einwandfreie Qualität von Trinkwasserinstallationen in das öffentliche Interesse zu rücken. Außerdem sei der 22. März eines jeden Jahres ebenfalls von den UN bereits 1992 zum weltweiten "Tag des Wassers" deklariert worden. Er soll das Bewusstsein der Menschen für die unverzichtbare Ressource auf allen Kontinenten schärfen. Das war, wie es heißt, für die VDS Anlass, das forsa-Institut mit einer für gut 61 Mio. Bundesbürger ab 18 Jahre repräsentativen Umfrage zur Wasserthematik zu beauftragen. Die jetzt vorgelegten Resultate der Studie lieferten ein "aufschlussreiches Informations- und Meinungsbild".Teamwork und SkepsisSo steht laut Untersuchung für die Deutschen fest, dass es vor allem eine Aufgabe der ganzen internationalen Staatengemeinschaft ist, auch der Bevölkerung in Entwicklungsländern zu sauberem Trinkwasser zu verhelfen. 70 % der Bundesbürger wollen das durch globale Anstrengungen gewährleistet wissen. Während 14 % primär die betroffenen Länder selbst im Obligo sehen, nehmen 15 % eher die Industriestaaten wie Deutschland in die Pflicht. Letzteres tun Jüngere weit mehr als Ältere.Ebenfalls sieben von zehn Deutschen glauben, dass der internationale "Tag des Wassers" sein Hauptziel verfehlt. Nur 23 % der Bundesbürger trauen ihm dagegen zu, die Menschen intensiver für die elementare Trinkwasser-Bedeutung zu sensibilisieren. Dabei wächst die Skepsis mit steigendem Bildungsgrad, recherchierten die Berliner Sozialforscher außerdem. Während 61 % der Befragten mit Hauptschulabschluss den Effekt des "Wassertages" bezweifeln, klettert die Quote bei Personen mit Abitur bzw. Studium auf 82 %. Die VDS hält das "insgesamt ernüchternde Resultat" u. a. für eine klare Aufforderung an Politik, Regierungen, Verbände, Unternehmen, Wissenschaft und Medien, die entsprechende Verbraucheraufklärung zu verstärken.Schieflage und FeelingEin ähnliches Fazit bietet sich wohl auch bei den Antworten auf die Frage an, wie hoch die Deutschen ihren eigenen Wasserverbrauch pro Kopf und Tag einschätzen. Gerade einmal 7 % geben der Studie zufolge mit "bis zu 125 Liter" den korrekten Wert an. Die überwiegende Mehrheit von insgesamt 71 % hält sich für viel sparsamer und liegt damit weit daneben. Das trifft besonders auf die 22 % bzw. 25 % der Bundesbürger zu, die einen maximalen Konsum von 30 bzw. 60 Liter vermuten. Das andere Extrem: Immerhin noch 2 % setzen sich selbst mit ihrem Votum "bis zu 500 Liter" akutem Verschwendungsverdacht aus.Beim Hauptverwendungszweck von Wasser machen die Bundesbürger im Vergleich mit der Realität aber eine gute Figur, stimmt doch das von ihnen aufgestellte Ranking tendenziell genau mit der tatsächlichen Situation überein. 61 % (West: 59 %, Ost: 70 %) identifizieren mit "Baden, Duschen und Körperpflege" treffend den Bereich, der in deutschen Haushalten den größten Wasserverbrauch verursacht. Dahinter rangieren - wie im "richtigen Leben" - die Toilettenspülung (19 %), Wäschewaschen/Geschirrspülen (18 %) sowie Essen und Trinken (2 %). Die "gefühlten" Abstände zwischen Platz 1 und 2 sind jedoch, erläutert der VDS-Sprecher, ausgeprägter als in der tatsächlichen Praxis.Zurückhaltung und DunkelzifferAls "bedenklich" bezeichnet Wischmann die Ergebnisse des nächsten Umfrageblocks: Danach hat bisher nur jeder fünfte Bundesbürger die Trinkwasserqualität schon einmal kontrollieren lassen. Dabei war die ostdeutsche Bevölkerung (31 %) erheblich aktiver als die im Westen der Republik (19 %). Gleiches gelte erwartungsgemäß für Haus- und Wohnungseigentümer im Unterschied zu Mietern. Bei durchgeführten Prüfungen hakten die Interviewer nach und notierten in vier von fünf Fällen ein "O. K." der Trinkwasserqualität. 17 % räumten dagegen registrierte Mängel ein.Noch schlimmer sei aber, dass insgesamt 72 % auch künftig keine Qualitätskontrolle des wichtigsten Lebensmittels planten. Das schließe z. B. unter gesundheitlichen und hygienischen Aspekten bewusst oder unbewusst einen möglicherweise "großen Risikofaktor" ein. Wischmann empfiehlt daher regelmäßige Checks wasserrelevanter Installationssysteme durch geschulte Fachhandwerker.Von Bedeutung sei nicht zuletzt das jeweilige Rohrmaterial. Mit Blick auf den entsprechenden Kenntnisstand der Bevölkerung signalisiere die Erhebung eine "hohe Dunkelziffer". So müssten 42 % bei der konkreten "Materialfrage" komplett passen. Während dieser Mittelwert bei Ein- und Zweifamilienhausbesitzern mit 27 % bzw. 29 % erheblich unterschritten werde, liege er etwa bei Mietern mit 55 % ebenso kräftig darüber. Ansonsten sind die Leitungen, durch die das kostbare Nass fließt, in den Privathaushalten den Angaben zufolge zu 31 % aus Kupfer, zu 14 % aus Kunst- bzw. Verbundwerkstoffen, zu 9 % aus Edelstahl/verzinktem Stahl sowie nach wie vor zu 2 % aus Blei. Im Trend korrespondieren die Quoten mit Branchenstatistiken, ergänzt der VDS-Geschäftsführer. Sein Resümee: "Die Sanitärwirtschaft bringt ihre nationale und globale Verantwortung für die komplexe Wasserthematik nicht nur durch ihre weltweit anerkannte technologische Kompetenz, sondern auch durch ihre jüngste Marktforschungs-Initiative zum Ausdruck."