09. Dez 2008

Kraftvoll gegen die Krise

VDS-Mitgliederversammlung in Berlin

Bonn – (vds) Eine deutliche Aufforderung an die haustechnische Branche, das chancenreiche Badgeschäft trotz der gegenwärtigen „Heizungseuphorie“ nicht in die „zweite Reihe“ zu rücken; einstimmige Voten bei der Wahl der neuen Verbandsspitze sowie zur Fortsetzung des „Tag des Bades“; grünes Licht für ein umfassendes Aktivitätenprogramm 2009 – so lauten konkrete Ergebnisse der Ende November 2008 in Berlin durchgeführten Mitgliederversammlung der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS). Wie es in einer Presseinformation weiter heißt, ging von ihr auch die Initiative zu einer inzwischen gemeinsam mit der Vereinigung der deutschen Zentralheizungswirtschaft (VdZ) an die Bundesregierung gerichteten „Berliner Erklärung“ aus. Als Folge der immer stärker spürbaren realen Auswirkungen der globalen Finanzkrise wachse die Sorge von Industrie, Großhandel und Handwerk vor einem „drastischen Nachfrageeinbruch“, resümiert die Dachorganisation der Sanitärbranche den Diskussionsverlauf während ihres Jahrestreffens.

"Bejahen statt beklagen"

Zu Beginn zog der nach sechsjähriger Tätigkeit satzungsbedingt ausscheidende, von den Teilnehmern mit anhaltendem Applaus gewürdigte Vorsitzende Fritz-Wilhelm Pahl u. a. ein nachdenkliches Fazit. Gerade die aktuelle Entwicklung im Banken- und Finanzsektor liefere ein warnendes Beispiel. Wie schon beim Platzen der Internetblase bestätige sich auch diesmal, dass Wirtschaft „von Menschen für Menschen“ gemacht werde und „nicht durch Bilanztricks von Buchhaltern, Anonymität von Eigentümern und die Gier bezahlter Manager“ wachse. In der „Perversion der Werte“ sehe er aber auch die Chance einer Renaissance „klassischer Unternehmertugenden“, die die Augen für notwendige Gemeinsamkeiten öffneten. Das gelte nicht zuletzt für die Sanitärwirtschaft, die wie nur wenige andere Branchen nach wie vor den persönlichen Kontakt pflege. Industrie, Großhandel und Handwerk seien nun einmal aufeinander angewiesen. „Wir sollten das erkennen, bejahen und nicht beklagen“, mahnte Pahl.

Im Übrigen könne sich die Branche dank ihrer Leistungsfähigkeit den Herausforderungen der in ihrem Ausmaß momentan gar nicht einzuschätzenden Krise selbstbewusst stellen. Dabei sei und bleibe die Aufgabe, die Endverbraucher zunächst für moderne Bäder zu begeistern, von zentraler Bedeutung für das tatsächliche Investitionsverhalten. Kompetenzthemen wie „Gesundheit“, „Komfort“, „Wohlfühlen“ und „Wasserverantwortung“ bildeten beste Grundlagen für gezielte Offensiven. Zu wünschen seien „manchmal“ mehr Mut, Unterstützung und die Bereitschaft zu unkonventionellen Wegen, ohne dabei das Prinzip der Dreistufigkeit zu verlassen. Jedenfalls ist die Sanitärbranche, betonte Pahl, alles andere als chancenlos, auch wenn sie im Gegensatz zur Heizungswirtschaft nicht über „Steilvorlagen“ wie Klimadiskussion, Energieeinsparung und staatliche Förderung verfüge.

"Heißer Renovierungskandidat"

Die VDS mache als übergreifende Dialog-Plattform sowie mit ihren zahlreichen Initiativen und Aktivitäten eine ebenso professionelle wie effiziente Arbeit. Aber: „Als Dachverband können wir nur so gut sein, wie die Mitglieder es uns ermöglichen.“ Der bilanzierende Appell von Pahl in seinem letzten Vorstandsbericht: „Vertrauen wir unseren eigenen Kräften. Leisten wir gemeinsam Widerstand gegen die zeitweilig deprimierenden äußeren Einflüsse und halten damit die Sanitärwirtschaft weiter auf Erfolgskurs.“

Generell bleibt das Bad bei den Bundesbürgern offenbar ein „heißer Renovierungskandidat“, schloss Geschäftsführer Jens J. Wischmann aus einer aktuellen Leserbefragung der Publikumszeitschriften „Mein EigenHeim“ und „Wohnen & Leben“. Danach wollen 62 % der insgesamt über 12.000 Teilnehmer bis 2010 in Haus oder Wohnung investieren. Dabei führe der Sanitärbereich (32 %) die Prioritätenliste vor Terrasse, Küche, Wärmedämmung außen, Fenster und Heizung sogar an. Das bestätige abermals den konstant hohen Stellenwert des Bades in der Bevölkerung und damit die im Prinzip „sehr günstigen Branchenperspektiven“.

Hohes Korrekturrisiko

2008 dürfte der mittelständische Wirtschaftszweig laut Wischmann noch relativ gut abschneiden. Auf Basis einer neuen ifo-Schätzung rechne man gegenüber 2007 mit einem leichten nominalen Umsatzplus von 1,5 % bis 2 % auf rund 15,5 Mrd. Euro (nach 15,2 Mrd. Euro). Es beruhe indes wieder im Wesentlichen auf dem wachsenden Auslandsgeschäft (3,4 nach 3,1 Mrd. Euro), während die Inlandsverkäufe bei 12,1 Mrd. Euro praktisch stagnierten. Für 2009 prognostiziere ifo per saldo ein geringes Umsatzminus auf 15,4 Mrd. Euro. Mit Blick auf den Erhebungstermin (Ende Oktober 2008) und die zwischenzeitlich zum Teil erheblich verschlechterten Werte sei jedoch das Risiko weiterer Abwärtskorrekturen in den nächsten Monaten „ziemlich hoch“. Das unterstrichen auch primär die in Berlin anwesenden Industrievertreter, die die Geschäftsentwicklung speziell im Ausland seit September mit einem Spektrum von „stetiger Sinkflug“ bis „dramatische Einbrüche“ charakterisierten. Die Großhandels- und Handwerksrepräsentanten konstatierten, wie es heißt, einen klaren Heizungsvorsprung. Einig seien sich alle Vertriebsstufen darin gewesen, dass die momentan herrschende Unsicherheit eine fundierte Vorhersage für 2009 ausschließe.

In dieser Phase komme es entscheidend auf eine „kraftvolle Stimulierung der privaten Binnennachfrage“ an. Dabei sehe man auch die Politik im Obligo. Auf Anregung des ZVSHK verabschiedete die Mitgliederversammlung die so genannte „Berliner Erklärung“. Ihr Kernelement: die Forderung an die Bundesregierung zur „Einführung eines ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für Bauinvestitionen und/oder einer steuerlichen Förderung entsprechend des früheren § 82a EStDVO“. Ziel sei es, dadurch kurzfristig Anreize für „qualitativ hochwertig ausgerichtete Investitionen z. B. in gesundheitsfördernde Bäder und energieeffiziente Heizungen“ zu schaffen. Das trage zur Unternehmenssicherung, zu einer Stabilisierung der Beschäftigung und zu einem Anstieg des volkswirtschaftlichen Vermögens gleichermaßen bei. Nachdem sich, ergänzt Wischmann, die Vereinigung der deutschen Zentralheizungswirtschaft (VdZ) dem Papier inzwischen ebenfalls anschloss, wurde es Anfang Dezember 2008 von beiden Verbänden gemeinsam publiziert.

Argumente in Zahlen

Aber die Sanitärbranche wolle sich natürlich „gerade jetzt“ auch selbst um die nötige Geschäftsbelebung kümmern. Dabei spiele der nationale „Tag des Bades“ eine wichtige Rolle. Er gehörte deshalb zu den Hauptthemen des „VDS-Bundestages“. Wischmann und Werner Hirschler, der Vorsitzende des PR- und Marketing-Ausschusses, informierten in ihren Berichten zunächst ausführlich über Resultate und Erfahrungen der diesjährigen Verbraucherveranstaltung. Dabei überwogen nach ihren Aussagen eindeutig die positiven Aspekte.

Das gelte im Einzelnen vor allem für die mit rund 730 registrierten Ausstellungen gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelte Teilnehmerzahl. Als besonders erfreulich könne dabei die auf über 25 % gestiegene „Handwerker-Quote“ bezeichnet werden. Sie betreffe die Betriebe mit eigenen Ausstellungen. Der durch die Finanzierung der Mitglieder des IndustrieForum Sanitär (IFS) 2008 erstmals ermöglichte überregionale TV-Spot habe sein „vorrangiges Mobilisierungsziel“ absolut erreicht. Danach sahen insgesamt fast 18 Mio. Bundesbürger die an fünf Tagen unmittelbar vor der ARD-Tagesschau ausgestrahlte Werbung. Zu ihren quantitativen Effekten gehöre auch, dass parallel dazu im Sendezeitraum sowie am eigentlichen Veranstaltungstag (20. September) über 170.000 Zugriffe auf www.gutesbad.de zu Buche standen.

Spitzenwerte steuerte den Angaben zufolge außerdem die nochmals ausgedehnte nationale PR-Flankierung bei. Erfasst wurden laut Wischmann weit über 700 projektbezogene Einzelveröffentlichungen mit einer Gesamtauflage von gut 20 Mio. Exemplaren, zahlreiche Artikel in Online-Diensten von Zeitungen und Zeitschriften sowie diverse Radiobeiträge. Die professionelle Vermarktung des Aktionstages habe daher „keine Wünsche offen gelassen“ und nicht zuletzt einen weiteren wichtigen Auftrag erledigt: das Thema „Bad“ durch den aktuellen Anlass generell in den Fokus der Bevölkerung zu rücken.

Bewusste Polarisierung

Zufrieden sei man schließlich auch mit den Abrufen der für den lokalen Einsatz entwickelten Aktionsmittel. So bestätigten 125.000 Gewinnspielkarten, 60.000 Infoblätter, 5.000 Poster und 8.000 Ratgeberbroschüren die Akzeptanz des „lückenlosen Unterstützungspaketes“. Für den meisten Gesprächs- und Diskussionsstoff in der Branche sorgten, räumte Wischmann ein, die Wahl des zentralen Motives und die Realisierung des darauf basierenden TV-Spots. Das Spektrum der Reaktionen habe von völliger Zustimmung bis zu scharfer Ablehnung gereicht. Die von den verantwortlichen VDS-Gremien einvernehmlich getroffene und getragene Entscheidung beruhte, so der Geschäftsführer, u. a. auf der Erkenntnis, dass gerade Fernsehwerbung Aufmerksamkeit erzielen muss, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Polarisierung sei insofern „eher positiv als negativ“. Im Übrigen habe es Kritik ausschließlich aus der Sanitärwirtschaft selbst gegeben.

Mit Blick auf den Verlauf des „Tag des Bades“ vor Ort hätten die persönlichen Eindrücke und die Analyse einer schriftlichen Teilnehmerumfrage in dem zentralen Punkt die gleiche Tendenz gezeigt. Wischmann: „Das Engagement der mitwirkenden Betriebe war erneut das Maß der Dinge. Es gab tolle Beispiele etwa bei der Kooperation zwischen Großhandel und Handwerk, die aufgrund eines attraktiven Rahmenprogrammes zu einem regelrechten ‚Run’ auf die Ausstellungen und zu konkreten Geschäftsabschlüssen führten. Dort jedoch, wo die Ansprache der Endverbraucher im Vorfeld defensiv erfolgte oder sich gar nur auf das ‚Türöffnen’ beschränkte, blieb die Frequenz häufig unter den Erwartungen.“

Vormerk-Termin 19. September 2009

Unter dem Strich könne man feststellen, dass das neue Konzept des „Tag des Bades“ seine Bewährungsprobe bestanden und letztlich breite Zustimmung gefunden habe. Das bestärke die VDS in ihrem Appell, die gemeinsame bundesweite Branchenveranstaltung dauerhaft zu etablieren und angemessen zu finanzieren. Hirschler: „Wir sollten möglichst schnell in die genaue Planung für 2009 einsteigen. Dazu benötigen wir aber natürlich zunächst ein klares Votum der VDS-Mitglieder.“

Nach kurzer Diskussion gab das Plenum einhellig grünes Licht für die Fortsetzung, teilt Wischmann mit. Danach findet der nächste „Tag des Bades“ voraussichtlich am 19. September 2009 statt. Mit der konzeptionellen Vorbereitung befasse sich der zuständige Ausschuss schon Ende Januar.

"Einiges bewegt"

In seinem Rückblick auf die Verbandsaktivitäten 2008 hob der Geschäftsführer u. a. die intensive Öffentlichkeitsarbeit mit ihren Hauptzielgruppen Endverbraucher-, Fach- und Wirtschaftspresse hervor. Das vielfältige Instrumentarium der ebenso flächendeckenden wie individuellen Mediendienste bewirke 2008 nach einer Hochrechnung rund 3.600 Abdrucke mit einer verbreiteten Gesamtauflage von ca. 85 Mio. Exemplaren. Diese erneute „Rekordbilanz“ werde dadurch transparent, dass man 2008 durchschnittlich zehn VDS-Veröffentlichungen pro Tag registrieren konnte.

Aber auch auf den übrigen Aktivitätenfeldern habe der Verband „einiges bewegt“. Dazu gehörten erweiterte Angebote und Services bei den Internet-Plattformen www.sanitaerwirtschaft.de, www.gutesbad.de und www.badezimmer.tv, neue Info-Dienste, zentrale Marketinghilfen für Fachbetriebe, die permanente Marktforschung, Veranstaltungen wie das inzwischen zum dritten Mal durchgeführte VDS-Badforum sowie die intensive Mitwirkung in Trägerschaft und Beirat der „ISH 2009“.

Frankfurter Programm

Exemplarisch für den „qualitativ und quantitativ wieder ambitionierten“ Projektfahrplan 2009 gab Wischmann einen Ausblick auf die vorgesehenen Maßnahmen zu der Jubiläums-Leitmesse mit ihrem Schwerpunktthema „Wasser ist Leben“. Konkret werde sich der Dachverband der Sanitärwirtschaft dort u. a. wie folgt artikulieren und präsentieren:

  • Vorstellung eines Positionspapiers zu dem gesamten Wasserkomplex
  • Realisierung des Branchen- und Medientreffs „Waterlounge“ in Halle 3.1
  • Unterstützung der VDMA-/IFS-Nachhaltigkeitskampagne „Blue Responsibility“
  • Trendforum „pop up the bathroom“ mit virtueller und textlicher Aufbereitung
  • gezielte Bad-PR vor und während der Messe
  • „Live-Berichterstattung“ durch www.badezimmer.tv.
  • Volles Vertrauen

Nach Erledigung diverser Regularien war von der Mitgliederversammlung satzungsgemäß auch der neue VDS-Vorstand zu wählen. Nach jeweils einstimmigen Voten gehören der Verbandsspitze nun bis 2011 Andreas Dornbracht als Vorsitzender, der baden-württembergische Landesinnungsmeister Manfred Stather als stv. Vorsitzender, Dr. Rolf-Eugen König (1. Vorsitzender des DG Haustechnik) sowie Hartmut Dalheimer (IFS-Präsident) an. Dornbracht würdigte in seiner neuen Funktion zunächst seinen Vorgänger Fritz-Wilhelm Pahl: „Sie haben sich nicht nur in den letzten sechs Jahren außerordentliche Verdienste um die VDS und die gesamte Branche erworben.“

Außerdem bestätigte das Plenum ebenfalls einstimmig den PR- und Marketing-Ausschuss unter Leitung von Werner Hirschler, dem Obermeister der SHK-Innung in Köln. Er freute sich auch über ein „Heimspiel“, trifft sich doch das höchste Organ der VDS in der Domstadt zur nächsten Jahresversammlung. Der buchstäblich planbare Termin: 12. November 2009.

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