12. Nov 2009

Am liebsten ohne fremde Hilfe

Bäder für alle Lebenslagen: Vorsorgliche Planung vermeidet Barrieren / VDS gibt Tipps zum Thema „Bequem und Sicher“ / Altersgerechte Ausstattung beim Namen genannt / Keine Klinik-Atmosphäre / Fachunternehmen und Fördermittel / Bedarfsgerechtes Beispiel
 
Bonn – (vds) Man kann es drehen und wenden, wie man will: Es kommt der Tag, an dem es sich nicht mehr wie ein junger Gott ins Bad hüpfen lässt. Vom „schnell unter die Dusche springen“ ganz zu schweigen. Und wenn vieles nur noch im Sitzen erledigt werden kann, am Waschtisch jedoch keine Beinfreiheit herrscht, rücken selbst Gegenstände wie Armaturen plötzlich in die Ferne. Dann aber ist das Kind schon in den Brunnen gefallen. Warum also nicht rechtzeitig Vorsorge treffen. Nicht zuletzt, weil das, was in Zukunft vielleicht notwendig ist, bereits in der Gegenwart in jedem Fall besseren Komfort und erhöhte Sicherheit darstellt.
 
„Genau genommen dreht es sich stets um die Frage, wie man ein Bad bequemer machen und Unfälle verhüten kann“, bringt es Jens J. Wischmann auf den Punkt. Die spontanen Empfehlungen des Geschäftsführers der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS): genügend Bewegungsraum; Fliesen müssen auch nass rutschsicher, und der Waschtisch sollte möglichst nicht nur unterfahrbar, sondern auch höhenverstellbar sein. Halte-, Stütz- und Klappgriffe, die sich zum Teil in jeder beliebigen Position einrasten lassen, erleichtern das Hinsetzen und Aufstehen am WC. Sitzelemente für Dusche oder Badewanne bieten Komfort und Sicherheit bei Gebrechlichkeit, sind aber darüber hinaus für jeden Badnutzer praktisch.
 
Wichtige Sicherheitsmaßnahmen
 
Das gelte ebenso für die bodengleiche Wanne in der Dusche, die kein Stolperrisiko berge. Darüber hinaus sollte an leicht erreichbare Ablagen für Waschlotion und Schwamm gedacht werden sowie an eine Tür, die nach außen öffnet. Eine Thermostat-Armatur mit Heißwassersperre zähle ebenfalls zu den wichtigen Sicherheitsmaßnahmen – und sei, sollten die Enkel zu Besuch kommen, nicht nur alters-, sondern auch kindgerecht. „Ist es nicht paradox, dass wir ‚kindgerecht’ sofort in den Mund nehmen, ‚altersgerecht’ dagegen nur zögerlich über die Lippen bringen“, steuert Wischmann zur Diskussion um die Vermarktung seniorengerechter Bäder bei.
 
Seiner Ansicht nach haben sich diese längst vom Krankenhaus-Image befreit. Funktionsabhängige Sicherheit könne mit Formen erreicht werden, die durchaus ästhetische Ansprüche erfüllten. Farbe sei ebenfalls ein probates Mittel zur attraktiven Gestaltung und erweise sich als sehr wirkungsvoll bei Seheinschränkungen. So dienten kontrastreiche Kombinationen eher einer klaren Orientierung als das fraglos immer noch beliebte „Weiß in Weiß“. Ferner sollten, wenn schon umgebaut werde, bereits seitens der Installationstechnik weitere Veränderungen möglich sein wie die spätere Ausstattung mit einer Notrufeinrichtung oder mit Wärmeelementen.
 
Altersgerechter Umbau wird gefördert
 
Genau diese planerischen Details sind es, erklärt Wischmann weiter, die die individuelle Bedarfsermittlung durch einen SHK-Profi im Vorfeld einer Badmodernisierung unerlässlich machen. Allen voran kenne er die Fülle von Markenprodukten und Konzepten, um älter werdenden Menschen den Auszug aus zu unbequem gewordenen Wohnungen zu ersparen. Außerdem ein triftiger Grund für Wischmann, auf Fachkompetenz zu setzen: Unter dem Titel „Wohnraum Modernisieren“ fördert das Programm „Altersgerecht Umbauen“ der KfW-Bank die Anpassung von Wohnungen an die Bedürfnisse des Alters über zinsgünstige Kredite. Der barrierefreie Umbau von Bad und WC ist darin über spezielle Förderbausteine enthalten. Eine Voraussetzung für die Gewährung der Fördermittel: Die Maßnahmen müssen durch ein Fachunternehmen durchgeführt werden.
 
Keine Berührungsängste mit dem Prädikat „altersgerecht“ hatten, wie es weiter heißt, Gertrud und Helmut Rebbe. Das Ehepaar gewann beim „Tag des Bades 2008“ ein Bad im Wert von 25.000,00 Euro und ließ es sich bedarfsgerecht und mit Blick auf eine unabhängige Lebensführung bis ins hohe Alter sprichwörtlich auf den Leib schneidern. „Selbst für den schwenkbaren Vergrößerungsspiegel fand sich am Ende noch Platz“, freuten sich die rüstigen Rentner beim Besichtigungstermin mit allen beteiligten Fachhandwerkern sowie der VDS als Initiatorin.
 
Bildunterschriften
 
Bilder 4062, 4063, 4064
Von wegen Klinik-Atmosphäre: Altersgerechte Bäder sind komfortabel, vielseitig und außerdem schick. Wie die Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) erklärt, bieten sie im Grunde weniger spezielle Hilfsmittel als durchdachte, Unfall verhütende Gestaltung, die mit Formen erreicht wird, die ästhetische Ansprüche mehr als erfüllen. Der unterfahrbare Waschtisch, der Sitz bzw. die  bodengleiche Wanne für die Dusche oder der Halte-, Stütz- und Klappgriff am WC sorgen für Komfort und Sicherheit bei Gebrechlichkeit, sind aber darüber hinaus für jeden Badnutzer praktisch?
 
Bild 4065
Altersgerechte Komfortbäder sollten laut Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) vor allem über ausreichende Bewegungsflächen und gut gegliederte Funktionszonen wie Dusch-, Hygiene- und Pflegebereich verfügen.
 
Bild 4066
Altersgerecht beim Namen genannt: Das Ehepaar Rebbe (Bildmitte) gewann beim „Tag des Bades 2008“ ein Traumbad und ließ es sich mit Blick auf eine unabhängige Lebensführung bis ins hohe Alter von SHK-Profis sprichwörtlich auf den Leib schneidern.
 
Alle Fotos: Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS)
Zeichnung: Borcherding GmbH

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