29. Jul 2009
Kein Sturzflug
Sanitärbranche behauptet sich in der Krise / Moderates Umsatzminus 2009 / Talsohle erreicht? / Inland „erheblich besser“ als Ausland / 2008 kräftig zugelegt / Industrie stärker betroffen / Kritik an Konjunkturpaketen / Neue Wohnungsbaupolitik gefordert / Haus- und Gebäudetechnik folgt Gesamttrend
Bonn – (vds) Das Krisenjahr 2009 verschont auch die Sanitärwirtschaft nicht. Auf Basis aktueller Prognosen des ifo-Institutes kann sich die überwiegend mittelständisch geprägte Branche in der Rezession aber noch relativ gut behaupten. Sie geht derzeit nach Angaben der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) im laufenden Jahr von einem Umsatzminus von nominal rund 4 % aus, nachdem 2008 ein „unerwartet starkes Wachstum“ gebracht habe. Die Entwicklung der In- und Auslandsmärkte im 2. Halbjahr sei jedoch schwer einzuschätzen, so dass offen bleibe, ob die Talsohle bereits erreicht sei. Unabhängig davon nehme das Nachfragepotenzial im Badsektor generell „eher zu als ab“.
Nach Informationen ihres Dachverbandes rechnet die gesamte Sanitärwirtschaft (Industrie, Großhandel, Handwerk) 2009 mit einem Umsatz von 15,6 Mrd. Euro. Das entspreche gegenüber 2008 (+ 6,5 % auf 16,3 Mrd. Euro) einem Rückgang um 4,3 %. Wie schon im Vorjahr schneide dabei das Inlandsgeschäft mit einem prognostizierten Minus von knapp 4 % auf 12,4 Mrd. Euro (nach 12,9 Mrd. Euro) „erheblich besser“ als die Auslandsnachfrage ab, die um fast 6 % auf 3,2 Mrd. Euro (nach 3,4 Mrd. Euro) sinke. Diese Branchenwerte verdecken, betont VDS-Geschäftsführer Jens J. Wischmann, zum Teil sehr unterschiedliche Tendenzen bei den einzelnen Vertriebsstufen.
So mache sich bei den im Wesentlichen inlandsorientierten Großhandels- und Handwerksfirmen die bisher „ziemlich stabile Situation“ auf dem deutschen Markt positiv bemerkbar. Weit ungünstiger sei die Lage auf der Industrieseite. Infolge der Auslandsanteile von 50 % und darüber litten viele Hersteller besonders unter den „häufig drastischen Auftragseinbrüchen“ im internationalen Bereich. Die Unternehmen seien gezwungen, darauf u. a. mit „konsequenten Kostensenkungsprogrammen“ zu reagieren.
Botschaften nach Berlin
Kritisch bewertet Wischmann die zur Abfederung der Wirtschaftskrise von der Bundesregierung aufgelegten Konjunkturpakete: „Für unsere Branche sind sie praktisch wirkungslos.“ So kämen die für Infrastrukturmaßnahmen vorgesehenen Mittel nur in „sehr geringem Maße“ Investitionen in die Sanitärausstattung zugute. Außerdem müsse man mit Blick auf die gerade im Badsektor wichtigen privaten Anschaffungen z. B. die Abwrackprämie für Altautos als problematisch bezeichnen. Da die Verbraucher „ihr Geld nur einmal ausgeben können“, fehle ihnen dadurch das Kapital etwa für notwendige Badmodernisierungen. Hier werde also der bereits seit Jahren konstatierte Investitionsstau künftig noch länger.
Akuten Handlungsbedarf mahnt der Verband zudem bei der Wohnungsbaupolitik an. Die vom Statistischen Bundesamt für 2008 mit 176.000 gemeldete Zahl der fertiggestellten Wohnungen sei „alarmierend“, liege sie doch weit unter dem von Experten für erforderlich gehaltenen Neubauvolumen von 250.000 bis 300.000 Einheiten pro Jahr. Deshalb appelliere die VDS an die neue Bundesregierung, in der nächsten Legislaturperiode wieder die geeigneten Rahmenbedingungen für eine „qualitativ und quantitativ angemessene Wohnraumversorgung“ zu gewährleisten.
Kein Eigenleben
Ferner weist Wischmann auf aktuelle ifo-Berechnungen für die komplette haus- und gebäudetechnische Branche hin, zu der neben dem Sanitärsektor die Wirtschaftszweige Heizung, Klima und Lüftung gehören. Danach stieg der Umsatz 2008 kräftig um 7,9 % auf 39,5 Mrd. Euro (nach 36,6 Mrd. Euro). Für 2009 zeichne sich derzeit ein Rückgang der Verkaufserlöse um ca. 4 % auf dann unter 38 Mrd. Euro ab.
Ein weiteres Indiz dafür, dass sich die SHK-Branche der allgemeinen Abwärtstendenz nicht entziehen könne, liefere die voraussichtliche Entwicklung bei den Mitarbeiter- und Unternehmenszahlen. Danach drohe im laufenden Jahr in der Haus- und Gebäudetechnik mit ihren über 400.000 Beschäftigten der Verlust von knapp 10.000 Arbeitsplätzen. Auch die Zahl der Unternehmen werde sich vermutlich auf unter 51.000 reduzieren.
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Auswirkung: Nachdem in der Sanitärbranche für 2008 ein „unerwartet kräftiges“ Umsatzplus zu Buche steht, wird auch sie 2009 von der Krise erfasst. Allerdings hält sich das vom ifo-Institut prognostizierte Minus von insgesamt rund 4 % noch in relativ engen Grenzen, hebt die Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) hervor. Da jedoch die kurzfristige Entwicklung der In- und Auslandsmärkte schwer abzuschätzen sei, könne sich bis zum Jahresende „durchaus noch einiges ändern“.
Grafik: Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) Bild 3028