02. Dez 2009
Kooperation und Koordination gefragt
Bonn – (vds) Zum Ausklang eines speziell für die Industrie extrem schwierigen Jahres ist es noch zu früh, das „Ende der Krise“ auszurufen. Dennoch und trotz der unverändert zahlreichen Unsicherheitsfaktoren überwiegt in der Branche ein „leichter Optimismus“ für 2010. Auf diesen Nenner brachte die Mitgliederversammlung der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) Mitte November 2009 Status und Perspektiven der Geschäftsentwicklung im In- und Ausland. Wie es in einer Presseinformation weiter heißt, zeigten sich die Repräsentanten der drei Vertriebsstufen im rheinland-pfälzischen Unkel mit der Arbeit der Dachorganisation „per saldo sehr zufrieden“. Zugleich stellten sie die Weichen für die kurz- und mittelfristigen Aktivitätenschwerpunkte. Dazu gehören 2010 der am 18. September stattfindende „Tag des Bades“, der komplette Relaunch der Internet-Plattform www.gutesbad.de sowie die medial vernetzte Realisierung eines umfassenden Verbraucher-Ratgebers. Auch auf politischer Ebene wolle man die Präsenz gemeinsamer Branchenthemen künftig erhöhen.
Auf Basis der während der Veranstaltung vorgelegten neuen Schätzungen des ifo-Institutes geht der Umsatz der Sanitärwirtschaft 2009 auf 15,6 Mrd. Euro und damit um nominal 5,5 % gegenüber 2008 (16,5 Mrd. Euro) zurück. Während sich danach das Inlandsgeschäft mit einem Minus von 2,3 % (12,7 Mrd. Euro nach 13,0 Mrd. Euro) noch relativ gut behauptet, sinken die im Ausland erzielten Verkaufserlöse drastisch um rund 17 % auf 2,9 Mrd. Euro (nach 3,5 Mrd. Euro). Unter diesem „dramatischen Einbruch“ leide primär die Industrie. Fachgroßhandel und Fachhandwerk profitierten dagegen von dem fast stabilen Heimatmarkt. Insofern wirke sich die generelle Krise innerhalb des dreistufigen Vertriebsweges „erkennbar unterschiedlich“ aus. Ähnliche Tendenzen seien im Übrigen in der gesamten Haus- und Gebäudetechnik (also einschließlich Heizung, Lüftung und Klima) zu registrieren.
Hoffnung auf Stabilisierung
Für 2010 billige ifo der Branche ein geringes Umsatzwachstum zu. Insgesamt könne die Sanitärwirtschaft auf ein Plus von knapp 3 % und damit auf 16,0 Mrd. Euro kommen. Dabei falle der Anstieg im Inland mit etwa 2 % auf 12,9 Mrd. Euro voraussichtlich bescheidener aus als im Ausland. Hier halte man auf dem stark reduzierten Niveau eine Erholung um rund 7 % auf ca. 3,1 Mrd. Euro für möglich.
Alle Prognosen gebe die VDS jedoch mit der „gebotenen Vorsicht“ weiter. Das resultiere aus dem „akuten Defizit“ an verlässlichen Orientierungswerten. Außerdem dürfe man nicht übersehen, dass eine Geschäftsbelebung in dem jetzt geschätzten Umfang keineswegs ausreiche, um die 2009 kräftigen Einbußen zu kompensieren. Zum Vergleich: 2008 habe der Branchenumsatz noch 16,5 Mrd. Euro betragen. „Ungeachtet dessen hoffen wir auf stabilisierende Elemente“, kommentierte Andreas Dornbracht die aktuellen Zahlen. Dazu bedarf es nicht zuletzt „gemeinsamer Anstrengungen“, mahnte der VDS-Vorsitzende in seinem Statement zur Geschlossenheit.
Ressourcen bündeln – Effizienz erzielen
Überhaupt seien Kooperation und Koordination von entscheidender Bedeutung. Das gelte für eine Reihe wichtiger Handlungsfelder bzw. Projekte. Als konkrete Beispiele nannte Dornbracht den nach Auffassung des Vorstandes als einzige bundesweite Branchenmaßnahme unverzichtbaren „Tag des Bades“, die Weiterentwicklung der „ISH“ mit einem eigenen kommunikativen und optischen Bad-Auftritt, die Notwendigkeit einer systematischen Bad-Qualifizierung und die im Interesse einer klaren Botschaft in der Öffentlichkeit erforderliche Branchenabstimmung in dem wichtigen Themenbereich „Wasser und Nachhaltigkeit“. Man müsse die letztlich auch finanziell begrenzten Ressourcen bündeln, um Effizienz und Aufmerksamkeit zu erzielen.
Im Übrigen spreche einiges für eine „mutigere Praxis“ bei der öffentlichen Preisdarstellung. Dabei gehe es nicht um die Preise einzelner Produkte, sondern um die des Gesamtprojektes „Bad“ mit seinen vielfältigen Profi-Leistungen. So habe die 2009 von VDS und FSI initiierte Studie „Die Bad-Renovierer“ bestätigt, dass die Verbraucher einen transparent gemachten Komplettpreis durchaus akzeptierten. Mehr Offenheit sei zudem auch eine Antwort auf die durch das Internet ausgelöste Preissensibilität und -diskussion. Die drei Marktpartner müssten gemeinsam alles tun, um gerade Modernisierern einen „einfachen Weg zum guten Profi-Bad“ aufzuzeigen. Dieser Aufgabe widmet sich deshalb u. a. die VDS 2010 durch gezielte Schritte, kündigte Dornbracht an.
„Spektakuläre Bestmarken“
In ihren Berichten informierten Geschäftsführer Jens J. Wischmann und Werner Hirschler, der Vorsitzende des PR- und Marketing-Ausschusses, über Inhalte, Art und Resultate der Verbandsaktivitäten. Sie wiesen dabei auf einige Schwerpunkte in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation, Internet, Aktionen, Messen und Marktforschung hin. Dabei konnten sie u. a. „neue PR-Rekorde“ melden. Den eigenen Hochrechnungen zufolge schafft die kontinuierliche Pressearbeit der VDS 2009 mit knapp 7.000 Einzelveröffentlichungen ebenso eine „spektakuläre Bestmarke“ wie bei der registrierten verbreiteten Auflage von 140 Mio. Exemplaren bzw. über 400 Mio. Leserkontakten. Es zeige sich einmal mehr, dass man durch Themenauswahl und Aufbereitung der Materialien die „Wünsche der Journalisten“ von Fach- und Endverbrauchermedien gleichermaßen erfülle. So greife die VDS in ihrer Öffentlichkeitsarbeit u. a. genau die Themen auf, von denen man aus der eigenen Marktforschung wisse, dass sie für die Verbraucher besonders wichtig seien. Auch das stelle im Übrigen eine sinnvolle Vernetzung unterschiedlicher Kommunikations¬instrumente dar.
Qualität vor Quantität
Intensiv befasste sich die Mitgliederversammlung, wie es hieß, mit dem „Tag des Bades“. Die 2009 zum fünften Mal durchgeführte zentrale Branchenveranstaltung könne einerseits erfreuliche quantitative Ergebnisse (z. B. rund 800 registrierte Ausstellungen, 11 Mio. TV-Zuschauer, fast 170.000 Zugriffe auf www.gutesbad.de in der Woche der Fernsehwerbung, starke Presseresonanz mit über 60 Mio. Leserkontakten) sowie eine gegenüber dem Vorjahr insgesamt positivere Teilnehmerbewertung vorweisen. Andererseits habe sich bei dem wie immer entscheidenden Vor-Ort-Engagement erneut „Licht und Schatten“ gezeigt. Die Palette erstreckte sich danach von „vorbildlichen Praxisbeispielen“ bis zum schlichten „Tür öffnen“ zu regulären Geschäftszeiten. Hier ist künftig gezielt „gegenzusteuern“, war man sich in der Diskussion einig.
Für das IndustrieForum Sanitär (IFS), das auch 2010 sein finanzielles Sponsoring aufrecht erhalte, forderte VDS-Vorstandsmitglied Hartmut Dalheimer daher das Prinzip „Qualität vor Quantität“ ein. Diese von dem Plenum geteilte Maxime in ein konkretes Konzept umzusetzen, sei Aufgabe des PR- und Marketing-Ausschusses. Als festen Termin für den nächsten „Tag des Bades“ verabschiedete der „Branchen-Bundestag“ den 18. September 2010. Da die Publikumsveranstaltung „von Kontinuität lebt“, sei in Unkel grundsätzlich auch bereits der 17. September 2011 als Folgedatum ins Auge gefasst worden.
Ehrgeiziges Pensum
Darüber hinaus gehören laut Wischmann zu dem Aktivitätenprogramm der Dachorganisation von Industrie, Fachgroßhandel und Fachhandwerk 2010 weitere umfangreiche Projekte. Auf der Liste stünden u. a. :
• Erstellung und Vermarktung einer – im Internet erweiterten – Ratgeber-Broschüre, die den Verbrauchern auf der Basis realistischer Beispiele alle relevanten Schritte einer professionellen Badrealisierung anschaulich dokumentieren soll. Der Branche selbst diene sie als produktneutrale, vielfältig einsetzbare Informationshilfe.
• Gezielte Medienkooperationen, die das Ratgeber-Thema mit Text- und Fotoreportagen aufgreifen.
• Komplette Überarbeitung und Neugestaltung der Verbraucher-Plattform www.gutesbad.de mit dem Ziel einer noch größeren (emotionalen) Attraktivität für das private Publikum. Dabei gehe es nicht zuletzt um die Einbindung in die und die Verzahnung mit der generellen Öffentlichkeitsarbeit der VDS. Zu den inhaltlichen Schwerpunkten gehören: Planungsbeispiele und -ideen, optimierte Ausstellungs- und Profisuchfunktionen, „Musterbäder“ mit (erläuterten) Komplettpreisen, Hintergrundinfos u a. zu Markenqualität, Handwerkerservice etc.. Im Übrigen stoße die Website schon jetzt mit über 3,4 Mio. Zugriffen pro Jahr auf ein hohes Interesse.
• Ganztägiges „Badforum“ am 02.09.2010 in Bonn mit Referaten und Diskussionen zum zentralen Thema „Komplettbad“.
• Vorbereitung auf die „ISH 2011“ in einem separaten Arbeitskreis für die „Erlebniswelt Bad“, der Inhalte, Kommunikation und Rahmenmaßnahmen konzipiere und begleite. Dabei werde das 2009 mit Erfolg realisierte Trendforum „pop-up-the-bathroom“ fortgesetzt und weiterentwickelt. Auch die inzwischen etablierte „Waterlounge“ sei als Branchentreffpunkt wieder vorgesehen. Es komme darauf an, die Frankfurter Weltleitmesse noch klarer gegenüber ausländischen „Konkurrenzveranstaltungen“ zu positionieren.
Mehr Lobbyarbeit im Visier
Ferner beschloss die Mitgliederversammlung nach Aussage von Wischmann, die vertriebsstufenübergreifende Plattformfunktion der VDS auszubauen. Zunächst gelte es, gemeinsame Themen mit politischer Relevanz zu suchen. Dazu könnten im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung ausdrücklich erwähnte Kriterien wie die Bewältigung des demographischen Wandels und die Barrierearmut im Wohnumfeld gehören. Umweltaspekte wie Wasser- und Ressourcenschonung seien hier ebenfalls denkbar. Im ersten Schritt werde von den Geschäftsführern der VDS und ihrer Mitgliedsverbände eine Entscheidungsvorlage für den Vorstand erarbeitet.
Ebenso einstimmig wie schnell fiel das jeweilige Votum bei den „Regularien“ wie der Entlastung von Vorstand und Geschäftsführung aus, meldete der Bonner Verband ergänzend. Das Jahrestreffen 2010 findet übrigens am 25. November in Köln und dann „hoffentlich in einem freundlicheren Konjunkturklima“ statt, wie es Dornbracht in seinem Schlusswort formulierte.
Bildtexte
Verursacher: Für den nach einer neuen ifo-Schätzung 2009 um nominal 5,5 % auf 15,6 Mrd. Euro sinkenden Umsatz der Sanitärbranche ist primär das um rund 17 % einbrechende Auslandsgeschäft verantwortlich. Das geht vor allem zu Lasten der Industrie, meldet die Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS). Dagegen profitierten Fachgroßhandel und Fachhandwerk von dem fast stabilen deutschen Markt. Trotz „erheblicher krisenbedingter Unsicherheitsfaktoren“ signalisiere die Prognose für 2010 wieder einen leichten Aufwärtstrend.
Grafik: Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) Bild 3039
Appell: Während der Mitgliederversammlung riefen Vorstand und Geschäftsführung der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) die Branche zur Geschlossenheit auf. Kooperation und Koordination seien u. a. mit Blick auf das „ambitionierte Aktivitätenprogramm“ des Dachverbandes von großer Bedeutung. Von links: Hartmut Dalheimer, Manfred Stather, Jens J. Wischmann, Andreas Dornbracht und Dr. Rolf-Eugen König.
Foto: Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) Bild 515
Zustimmung: Mit der Arbeit der VDS waren die Repräsentanten der drei Vertriebsstufen im rheinland-pfälzischen Unkel „per saldo sehr zufrieden“. Zugleich stellten sie die Weichen für die kurz- und mittelfristigen Aktivitätenschwerpunkte. Dazu soll auch eine künftig stärkere Präsenz auf politischer Ebene gehören.
Foto: Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) Bild 516
Vollbeschäftigung: Die Mitglieder des PR- und Marketing-Ausschusses der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) haben auch 2010 keinen Arbeitsmangel. Dafür sorgt u. a. der bundesweite „Tag des Bades“. Für die am 18. September 2010 wieder stattfindende zentrale Publikumsveranstaltung der Branche steht zunächst die Entwicklung eines „schlüssigen Detailkonzeptes“ auf dem Programm. Daran wirken (von vorn) für die Industrie Jörg Loew sowie für das Handwerk Werner Hirschler und Peter Küpper mit. In dem Gremium ebenfalls vertreten: Experten des Großhandels und die VDS-Geschäftsführung.
Foto: Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) Bild 514
Bestmarken: 2009 stellt die kontinuierliche Bad-Pressearbeit der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) in jeder Kategorie „neue Rekorde“ auf, meldet der Branchen-Dachverband. Das gelte für die mit knapp 7.000 angegebene Zahl der Einzelveröffentlichungen ebenso wie für die registrierte verbreitete Auflage von 140 Mio. Exemplaren (siehe Grafik). Die Hochrechnung bestätige nicht zuletzt die mediengerechte Themenauswahl und Materialaufbereitung.
Grafik: Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) Bild 4069