15. Mrz 2011
Kräftiges Wachstum
Sanitärbranche meldet „unerwartete Umsatzdynamik“ / Inlandsgeschäft auch in der Krise stabil / Erholung im Ausland / Gute Vorzeichen für 2011 / Neue Bäder im Trend / Aufschwung mit Risiken / Stärkere politische Präsenz / Haus- und Gebäudetechnik im Gesamtüberblick
Frankfurt/Bonn – (vds) Auf eine „unerwartet positive Geschäftsentwicklung“ kann die Sanitärbranche für 2010 verweisen. Gleichzeitig geht sie mit „nüchternem Optimismus“ in das laufende Jahr. Wie die Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) aus Anlass der „ISH 2011“ meldete, kommt das Wachstum sowohl aus dem In- als auch Ausland. Allerdings seien die weiteren Marktperspektiven nicht frei von Risiken, so dass die Kontinuität des Aufschwungs keineswegs als gesichert gelten könne.
Auf Basis der zur wichtigsten Branchenmesse Mitte März in Frankfurt vorgelegten neuen Schätzungen des ifo-Institutes stieg der Umsatz der Sanitärwirtschaft 2010 um knapp 7 % auf 17,3 Mrd. Euro (2009: 16,2 Mrd. Euro). Danach nahmen die Verkaufserlöse im Inland um gut 6 % auf 14,0 Mrd. Euro zu (nach 13,2 Mrd. Euro). Bereits im Krisenjahr 2009 zeigte sich die Badnachfrage im Heimatmarkt als „stabilisierender Faktor“, teilte der Dachverband von Industrie, Fachgroßhandel und Fachhandwerk ergänzend mit. Beim Auslandsgeschäft stehe für 2010 ein Umsatzplus von rund 10 % auf 3,3 Mrd. Euro (nach 3,0 Mrd. Euro) zu Buche. Dabei sei aber zu berücksichtigen, dass es hier 2009 einen „dramatischen Einbruch“ speziell für die Hersteller von Sanitärprodukten gegeben habe. Er konnte 2010, wie es hieß, trotz der kräftigen Erholung nicht voll kompensiert werden.
Gelungener Start
Auch 2011 bleibt der vorwiegend mittelständisch strukturierte Wirtschaftszweig laut ifo bei etwas geringerer Dynamik weiter im Aufwind. Danach dürfte sich der Gesamtumsatz um 4 % auf rund 18,0 Mrd. Euro erhöhen. Während die Vorhersage im Inland ein Plus von knapp 4 % auf 14,5 Mrd. Euro avisiere, gehe sie im Ausland von einem Anstieg um ca. 6 % auf 3,5 Mrd. Euro aus. Treffe diese Annahme zu, erreiche das jenseits der deutschen Grenzen realisierte Geschäftsvolumen jedoch erst wieder das Niveau von 2008. Mit Blick darauf hält es VDS-Geschäftsführer Jens J. Wischmann für erforderlich, die Nachfragebelebung im Ausland „richtig einzuordnen“.
Ungeachtet dessen sei der Start 2011 durchaus gelungen. Dem für die Sanitärbranche erhobenen ifo-Konjunkturbarometer zufolge sind die Firmen mit der aktuellen Geschäftslage sehr zufrieden. Außerdem signalisiere der im Februar binnen Monatsfrist um rund 20 Prozentpunkte gestiegene Index der Erwartungen für das nächste Halbjahr eine „ausgeprägte Zuversicht“. Sie beruhe nicht zuletzt auf den gegenwärtig günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Dazu gehöre die vom jüngsten GfK-Konsumklima bestätigte Bereitschaft der Bundesbürger zu größeren Anschaffungen ebenso wie der inzwischen wieder als „Hoffnungsträger gehandelte Wohnungsbau“. Gerade die Badmodernisierung stuft Wischmann generell als einen Sektor mit „überdurchschnittlichem Wachstumspotenzial“ ein. Argumente dafür seien u. a. Ressourcenschonung, Wertsicherung sowie der Wunsch der Menschen nach Individualität, Regeneration und langlebiger Ausstattungsqualität.
Schwerpunkt „Demografischer Wandel“
Gleichwohl dürfe man Risiken nicht übersehen, die sich auf die Unternehmen und die private Investitionsneigung gleichermaßen auswirken könnten. Im Einzelnen seien hier z. B. die erhebliche Rohstoff- und Energieverteuerung, die staatlichen Schuldenkrisen sowie die aktuellen Geschehnisse in Nordafrika und im Nahen Osten zu nennen. All das mache die künftige wirtschaftliche Entwicklung „noch schwieriger prognostizierbar“.
In Deutschland kündigte Wischmann ein stärkeres Engagement der Sanitärbranche auf der politischen Bühne an. So habe sie zur „ISH“ ein Positionspapier zum Themenkomplex „Demografischer Wandel – Altersgerechte Wohnungen – Barrierefreie bzw. -reduzierte Bäder“ vorgelegt. Wie wichtig der Sanitärsektor für die Bevölkerung bei dieser „zentralen Herausforderung“ sei, unterstreiche eine Mitte 2010 vom forsa-Institut im Auftrag der VDS durchgeführte Repräsentativumfrage bei Bundesbürgern ab 18 Jahre. Wenn es um altersgerecht ausgestattete Wohnungen gehe, rangiere das Bad in der Bedeutungsskala mit 68 % klar auf Platz 1. Es lasse damit u. a. Wohnzimmer (12 %), Küche (8 %) und Schlafzimmer (6 %) weit hinter sich. Wischmann leitet u. a. daraus die Legitimation auch für eine „politische Offensive“ ab.
Haus- und Gebäudetechnik auf Wachstumskurs
Für die gesamte Haus- und Gebäudetechnikwirtschaft, zu der neben der Sanitärsparte die Bereiche Heizung, Klima und Lüftung gehören, vermitteln die neuen ifo-Schätzungen ebenfalls ein positives Bild. Demnach erhöhte sich der Umsatz 2010 um gut 5 % auf 40,8 Mrd. Euro (nach 38,7 Mrd. Euro). Während im Inland ein Plus von rund 5 % auf 33 Mrd. Euro zu verbuchen sei, nahm das Auslandsgeschäft um knapp 7 % auf 7,8 Mrd. Euro zu. 2011 zeichne sich ein um fast 4 % auf dann über 42 Mrd. Euro steigender Gesamtumsatz ab. Dabei sollen die Verkaufserlöse im Inland um 3 % und die im Ausland um ca. 6 % zulegen.
Relativ stabil blieb den Angaben zufolge in den letzten Jahren der Personalbestand der haus- und gebäudetechnischen Branche. Danach beschäftigten die über 50.000 Unternehmen aus Industrie, Großhandel und Handwerk 2008 und damit vor Ausbruch der Krise knapp 410.000 Mitarbeiter. Ein ähnliches Niveau werde für 2011 erwartet.
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Aufwind: Eine „unerwartet positive Geschäftsentwicklung“ meldet die Sanitärbranche. Auf Basis einer zur „ISH 2011“ vorgelegten ifo-Schätzung stieg der Gesamtumsatz 2010 um knapp 7 %. Auch im laufenden Jahr ist den Prognosen zufolge mit einem moderaten Wachstum zu rechnen. Allerdings sind die Marktperspektiven laut der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) „nicht frei von Risiken“.
Grafik: Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) Bild 3062
Optimismus: Einen „guten Jahresauftakt“ konstatierte die Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) während der „ISH“ für die Badbranche. So seien die Firmen auf Basis des speziellen ifo-Konjunkturbarometers mit der aktuellen Geschäftslage sehr zufrieden. Außerdem signalisiere der im Februar binnen Monatsfrist um rund 20 Prozentpunkte gekletterte Erwartungs-Index für das nächste Halbjahr eine „ausgeprägte Zuversicht“.
Grafik: Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) Bild 3066
Dynamik: Vor allem im Badmodernisierungs-Sektor sieht die Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) „überdurchschnittliches Wachstumspotenzial“. Sie führt das u. a. auf den Trend zur Ressourcenschonung, den Aspekt der Wertsicherung sowie den Wunsch der Menschen nach Individualität, Regeneration und langlebiger Ausstattungsqualität zurück.
Foto: Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) Bild 4141
Sprung: Nach einem Plus von gut 5 % stieg der Gesamtumsatz der haus- und gebäudetechnischen Branche einer aktuellen ifo-Schätzung zufolge 2010 erstmals über 40 Mrd. Euro. Dabei kamen die Impulse sowohl aus dem In- als auch Ausland. 2011 dürfte der Aufwärtstrend im Prinzip intakt bleiben, hieß es zur „ISH“ Mitte März in Frankfurt.
Grafik: Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) Bild 3063
Kontinuität: In den letzten Jahren blieben die Mitarbeiterzahlen in der deutschen Haustechnikbranche auf der Grundlage neuer ifo-Berechnungen relativ konstant. Danach gab es in dem überwiegend mittelständisch strukturierten Wirtschaftszweig 2008 und damit vor Ausbruch der Krise knapp 410.000 Beschäftigte. Ein ähnliches Niveau werde für 2011 erwartet.
Grafik: Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) Bild 3064
Stabilität: Seit Jahren behauptet sich die Gesamtzahl der Industrie-, Großhandels- und Handwerksunternehmen in der SHK-Branche bei über 50.000. Das galt selbst für die Krisenperiode 2008/2009, ermittelte das ifo-Institut. Der leichte Rückgang wurde danach bereits 2010 wieder kompensiert.
Grafik: Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) Bild 3065