01. Okt 2014

Barrierefreie Immobilien sind Mangelware: Kluge Bäder auf Wohnungssuche

Aktion Barrierefreies Bad: Großer Bedarf an barrierefreien Wohnungen / Trotz Serienreife: Intelligente Badezimmer warten auf ihren Einsatz / Dank Vernetzungstechnik: Umgebungsassistenzen auf dem Vormarsch / Verbände alarmiert: Drei Millionen Bäder ohne Barrieren benötigt / Theorie und Praxis: SHK-Handwerk berät über Fördermittel

Bonn – (abb) Zwei Zimmer, Küche, Bad – barrierefrei: Wer derlei Wohn-Immobilie sucht, wird selten fündig. Viel zu wenige Wohnungen in Deutschland sind auf die Bedürfnisse von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zugeschnitten. Das erklärt die Aktion Barrierefreies Bad (ABB) und verweist auf eine Meldung von Immobilienscout 24. Das Internetportal berichtete erst kürzlich, dass gerade einmal rund 6 Prozent aller im Jahr 2013 auf ihm zur Miete oder zum Kauf angebotenen Wohnungen als barrierefrei gekennzeichnet gewesen wären.

Angesichts dieser Zahl hat es für die ABB-Verantwortlichen höchste Priorität, Wohnungen (nicht nur) für Senioren stärker zu fördern. Vergleiche man die Kosten eines altersgerechten Umbaus mit denen stationärer Pflege, rechneten sich solche Maßnahmen immer. Darüber hinaus gibt es, so die von der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) und dem Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) unterstützte Initiative weiter, bereits zahlreiche kluge Ausstattungslösungen für altersgerechte Badezimmer.

Bodenebene Duschen, Spiegelschränke und WCs mit Nachtlicht warteten ebenso auf einen Einsatz wie der serienreife Spiegel mit eingebauten Erinnerungshilfen zur täglichen Körperpflege. Schon vor Jahren haben sich Institutionen wie das Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme gemeinsam mit Unternehmen der SHK-Industrie an die Entwicklung eines intelligenten Badezimmers gemacht und es zum Leben erweckt.

Für die Kinder gibt es Zahnputzalarm

Das WC kennt jeden einzelnen Bewohner und stellt sich automatisch auf seine Körpergröße ein. Das Licht geht automatisch an und aus. Die Armatur schließt sich von selbst, um Wasser zu sparen. Für die Kinder gibt es Zahnputzalarm und für den nach einem Schlaganfall zeitweise leicht desorientierten Opa einen Spiegel, der ihn dazu anhält, sich zu rasieren.

Was er, aber auch die anderen Mitbewohner sonst noch machen sollten, zeigen weitere beleuchtete Piktogramme für Waschen, Zähneputzen und Kämmen. Wenn es Zeit ist, Medikamente einzunehmen, meldet sich eine Stimme aus dem Lautsprecher. Sensoren zeichnen jede Aktivität auf. Sollte sich Opas Gesundheitssituation verschlechtern, lässt sich am Computer kontrollieren, was von ihm gemacht wurde und was nicht. Stürzt Opa gar, kommt die Hilfe automatisch.

Wie die Aktion Barrierefreies Bad weiter informiert, sind Umgebungsassistenzen auf dem Vormarsch – auch, weil die Techniken für ihre Vernetzung mittlerweile zur Verfügung stehen. Dank Smart Home-Technologie stellten beispielsweise moderne Armaturensysteme quasi auf Zuruf gewünschte Temperaturen oder gleich ein ganzes Duschprogramm mit passendem Lichtambiente bereit. Menschen mit Handicap könnten auf diese Weise tägliche Routineaufgaben wie Waschen oder Duschen ohne Unterstützung von Familienangehörigen oder Pflegediensten erledigen. „Ein mitdenkendes Badezimmer wird in einem immer älter werdenden Deutschland mehr und mehr an Bedeutung gewinnen“, prophezeit VDS-Geschäftsführer Jens J. Wischmann.

Drei Millionen altersgerechte Badezimmer bis 2030 benötigt

Auch für Matthias Thiel vom ZVSHK ist das Badezimmer ein wichtiger Schlüssel für das selbstständige Wohnen im Alter. Der Referatsleiter Betriebswirtschaft, Datenmanagement und Demografischer Wandel zeigt sich alarmiert. Laut aktuellen Berechnungen würden bis zum Jahr 2030 zusätzliche rund drei Millionen altersgerechte Wohnungen benötigt – und damit auch rund drei Millionen altersgerechte Badezimmer. Immerhin: „Das KfW-Programm ‚Altersgerecht Umbauen’ unterstützt diese Baumaßnahmen zielgerecht. Im Rahmen von Wohn-Riester etwa ist der altersgerechte Umbau seit Beginn des Jahres förderfähig“, konstatiert Thiel.

Mit Blick auf solche Zahlen tut sich für das SHK-Handwerk ein großes Betätigungsfeld auf. Nicht zuletzt deshalb ist es wichtig, die Fördermaßnahmen des Bundes und die Möglichkeiten, sie tatsächlich in der Praxis umzusetzen, aus Sicht der Fachleute vor Ort zu beleuchten. Daher lädt der ZVSHK jetzt gemeinsam mit der KfW-Bankengruppe u. a. Badprofis, Vertreter von Branchenorganisationen sowie von Verbänden für Wohneigentum und Wohnberatung für Ende Oktober zu einem Demografie-Symposium nach Berlin ein. Anschließend heißt es Kommunikations-Konzepte anzuschieben, mit denen speziell Wohneigentümer motiviert werden sollen.

Indes hofft die Aktion Barrierefreies Bad auf einen schnellen Dialog aller Beteiligten – und einen satten Nachschlag in den Fördertöpfen: „Es müssen noch sehr viel mehr Anreize geschaffen werden, um alle Barrieren zu beseitigen und künftigen gesellschaftlichen Bedürfnissen auch nur annähernd gerecht zu werden.“




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Zwei Zimmer, Küche, Bad – barrierefrei: Wer derlei Wohn-Immobilie sucht, wird selten fündig. Für die Aktion Barrierefreies Bad hat es daher höchste Priorität, Wohnungen (nicht nur) für Senioren stärker zu fördern. Vergleiche man die Kosten eines altersgerechten Umbaus mit denen stationärer Pflege, rechneten sich solche Maßnahmen immer. Darüber hinaus gibt es, so die von der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) und dem Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) unterstützte Initiative, bereits zahlreiche kluge Ausstattungslösungen für Badezimmer, die Älteren bzw. Menschen mit Handicap bei täglichen Routineaufgaben Hilfestellung böten.

Foto: Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) / Shutterstock

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