Faktencheck Demografischer Wandel

Veröffentlicht am 6. Oktober 2020

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Demografischer Wandel bedeutet, dass es immer mehr ältere und immer weniger jüngere Menschen gibt. Allein in Deutschland hat sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts die Lebenserwartung mehr als verdoppelt – Tendenz weiter steigend. Bei gleichzeitig anhaltend geringen Geburtenraten führt diese Entwicklung zu einer spürbaren Alterung der Gesellschaft und letztlich zu einer deutlichen Zunahme an pflegebedürftigen Menschen. Daraus ergeben sich Auswirkungen auf alle Lebensbereiche. Die Anforderungen an Rente und Arbeitszeiten werden sich ebenso verändern wie die an marktgerechte Wohn(ungs)angebote. Der folgende Faktencheck Demografischer Wandel stellt die wichtigsten Eckdaten der Bevölkerungsentwicklung auf Basis valider Zahlen dar. Ein Fazit: Der demografische Wandel bürdet den Sozialsystemen viel auf.

2019 lebten in Deutschland rund 83 Mio. Menschen. Statistiker erwarten, dass diese Zahl, wenn Geburten, Lebenserwartung und Wanderungssalden moderat bleiben (Berechnungsmodell 2 von insgesamt 9 Hauptvarianten, G2-L2-W2), bis zum Jahre 2060 auf etwa 78 Mio. sinkt. Das durchschnittliche Alter von deutschen Männern und Frauen beträgt derzeit etwas mehr als 46 Jahre. Männer, die heute in Deutschland leben, werden im statistischen Mittel 78,5 Jahre alt. Bei den Frauen rechnet man mit einer Lebenserwartung von 83,3 Jahren. 2060 sollen sie im Durchschnitt knapp 89 Jahre alt werden. Bei den Männern gehen die Statistiker indes von einem Anstieg auf rund 85 Jahre aus.

Bis 2050: 8,9 bis 10,5 Mio. über 80-Jährige

2018 waren 15,9 Mio. Bundesbürger älter als 67 Jahre. Bis 2039 rechnet man mit einem Wachstum um weitere 5 bis 6 auf mindestens 21 Mio. Daran soll sich bis 2060 auch nichts ändern. Die Anzahl der über 80-Jährigen wird von 5,4 Mio. im Jahr 2018 bis 2022 auf 6,2 Mio. steigen: Bis 2050 sollen es 8,9 bis 10,5 Mio. sein. Durch diesen prognostizierten Altersaufbau zeichnet sich in den nächsten 20 Jahren ein Rückgang der Bevölkerung im Erwerbsalter bei gleichzeitigem Anstieg der Seniorenzahl ab. Vorausberechnungen zeigen außerdem, dass sich die Prozesse trotz einer relativ weit gefassten Spannweite der Annahmen zur künftigen Entwicklung der demografischen Einflussfaktoren wie Geburtenhäufigkeit, Lebenserwartung und Nettozuwanderung nicht aufhalten lassen. Die folgenden Zahlen deuten genau darauf hin:

Waren es 2018 in Deutschland noch 51,8 Mio. Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 66 Jahre, wird die Zahl bis 2035 um rund 4 bis 6 Mio. auf 45,8 bis 47,4 Mio. schrumpfen, um nach einer Phase der Stabilisierung bis 2060 weiter auf 40 bis 46 Millionen zu sinken – je nach Ausmaß der Nettozuwanderung. Macht man also alle Fakten und Tendenzen zur Grundlage, dann wird der demografische Wandel mit kontinuierlich steigender Lebenserwartung und dem Rückgang der Bevölkerung im Erwerbsalter den Sozialsystemen eine große Bürde auferlegen.

Aktuell zeigt die Entwicklung des Gesamtquotienten eine deutliche Zunahme der potenziellen Belastung der Bevölkerung im Erwerbsalter in jedem Fall mindestens bis Ende der 2030er Jahre. Standen 2018 noch 100 Personen im Erwerbsalter 60 potenziellen Leistungsempfängerinnen und -empfängern gegenüber, sollen es 2038 bereits 80 sein. Bis 2060 klettert der Gesamtquotient den Prognosen zufolge daher bei moderater Entwicklung (Variante 2, G2-L2-W2) weiter auf 83 und bei relativ alter Bevölkerungsstruktur (Variante 4, G1-L3-W1) auf 88 (vgl. Schaubild).

Faktencheck Demografischer Wandel
Grafik: Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS)

Bis 2050: Erwerbsbevölkerung bei nur 56 Mio.

Betrachtet man überdies die Erwerbsbevölkerung für sich allein, dann wird sie kleiner und älter. Zurzeit umfasst sie 62,2 Mio. Frauen und Männer. Und trotz stetiger Zuwanderung aus dem Ausland soll sie 2050 sogar bei lediglich 56 Mio. liegen. Damit sinkt wohl auch das Verhältnis von Beitragszahlern zu Altersrentnern in der gesetzlichen Rentenversicherung weiter. Die Folge: Während 1962 6 Beitragszahler eine Rente finanzierten, waren es schon 1973 bloß 4. Bis 2017 nahm die Belastung der Erwerbstätigen weiter zu: So standen einem Altersrentner  lediglich zwei Beitragszahler gegenüber – und das, obwohl letztere mit 38,2 Mio. einen nie dagewesenen Höchststand erreicht hatten. Jedoch war die Zahl der Altersrentner noch stärker gewachsen, nämlich auf rund 18 Mio.


Nachhaltigkeit und Recherchequellen

Das Grundsatzpapier Demografischer Wandel: Altersgerechte Wohnungen – Barrierefreie bzw. -reduzierte Bäder – Pflegegerechte Bäder liegt in kleiner Auflage gedruckt vor. Außerdem steht es auf dieser Seite als pdf-Datei zum Download im Bereich Die VDS zur Verfügung. Ein jährliches Update der digitalen Fassung ist geplant. Stand der vorliegenden Ausgabe sowie der dort zusätzlich enthaltenen Recherchequellen sowie entsprechender Links ist Juli 2020 bzw. Januar 2020. Nachdruck nur mit Genehmigung der Herausgeber bzw. unter Quellenangabe VDS/ZVSHK.

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